"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr", heißt es in einem Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke. Angesichts der grassierenden Inflation befürchten viele Verbraucher steigende Baufinanzierungszinsen, die den Traum vom Eigenheim in immer weitere Ferne rücken. Die Sorge ist nicht unbegründet: "Aktuell wird davon ausgegangen, dass uns die hohen Inflationsraten auch im ersten Halbjahr 2022 noch begleiten werden", sagt Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleisters Dr. Klein. "Daher sind die Anleiherenditen in den letzten Wochen wieder leicht gestiegen und als Konsequenz sind auch die Baufinanzierungszinsen nach oben gegangen."

Derzeit liegt der deutschlandweit günstigste überregionale Zins noch bei 0,71 Prozent. Die Frage ist allerdings, wie lange noch: "Ich rechne damit, dass immer wieder aufflammende Inflationssorgen weiterhin zu kurzfristigen Zinsanstiegen führen können", sagt Neumann. Allzu dramatisch dürften die Zinsanstiege allerdings nicht ausfallen, erwartet der Experte. Da die Europäische Zentralbank (EZB) sich bislang in Zurückhaltung übt, rechnet er mit abwechselnd steigenden und fallenden Zinsen. Eine Zinsexplosion schließt er in den kommenden Monaten eher aus.

Hilfe im familiären Umfeld
Auch temporäre Zinsanstiege erschweren einigen den Erwerb einer Immobilie. Allerdings bedeuten sie für die Wenigsten das Aus, sagt Neumann. In der Regel seien nämlich nicht die monatlichen Tilgungsraten das Problem angehender Käufer, sondern die hohen Eigenkapitalanforderungen. Sein Tipp: im familiären Umfeld Hilfe suchen. Entweder durch eine Schenkung, ein zinsloses Darlehen oder eine Immobilie der Eltern oder Schwiegereltern als Sicherheit für die Bank. (fp)