Der globale Konjunkturzyklus ist noch nicht vorbei – aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Spätphase begonnen hat. Dieser Überzeugung ist Joachim Fels, Chefökonom des Fondsanbieters Pimco. "Der Wachstumsgipfel ist überschritten, die Inflationsraten steigen – wenn auch nur moderat –, und die Notenbanken nehmen den Fuß vom Gaspedal, allen voran die Fed", sagt Fels im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Heftausgabe 4/2018 erscheint.

Die Spätphase des Wirtschaftsaufschwungs könnte Fels zufolge noch eine Weile andauern, da es bisher noch keine offensichtlichen Verspannungen oder Ungleichgewichte gebe. "Allerdings wird die Konjunktur in dieser Phase anfälliger für Schocks", betont der Volkswirt.

"Geld ohne Not verpulvert"
Auch in den USA sei der Wachstumsgipfel zur Jahresmitte überschritten worden. "Noch läuft die Konjunktur, vor allem wegen der expansiven Fiskalpolitik, aber im Verlauf des Jahres 2019 lässt der Fiskalimpuls nach und die Bremsspuren der Geldpolitik werden deutlicher sichtbar werden", betont Fels. "Mit einer Rezession in den USA rechne ich allerdings frühestens im Jahr 2020."

Mit Trumps Steuergeschenken, mit denen der US-Präsident der ohnehin boomenden Konjunktur in den Vereinigten Staaten einen zusätzlichen Kick beschert, geht Fels hart ins Gericht. Es spreche viel dafür, dass die nächste Rezession deshalb umso schärfer ausfallen wird, "vor allem wenn die Fed stärker auf die Bremse tritt, weil wegen Trumps Fiskalpolitik die Gefahr einer Inflation steigt", so der Ökonom. "Außerdem wird es in der nächsten Rezession weniger Spielraum für fiskalisches Gegensteuern geben, weil das Geld jetzt schon ohne Not verpulvert wird."

"Große Kursteigerungen sind nicht mehr zu erwarten"
Fels äußert sich in dem Interview auch dahingehend, was der Konjunkturausblick seines Hauses für die Asset-Allokation bedeutet: "In der Spätphase des Zyklus' laufen Aktien und Rohstoffe oft noch gut, allerdings mit deutlich größeren Kursschwankungen. Und wenn die Rezession doch schon früher als erwartet kommt, dann stehen dort große Kursverluste ins Haus", sagt der "Global Economic Advisor" des Asset Managers.

Nach dem deutlichen Renditeanstieg halte Pimco US-Staatsanleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit wieder für attraktiv. Auch US-Hypothekenpapiere und inflationsgeschützte Anleihen seien einen Blick wert. "Insgesamt geht es in der Spätphase des Zyklus' um Kapitalerhalt – große Kursteigerungen sind in dieser Phase angesichts der hohen Bewertungen und der steigenden Rezessionsgefahr nicht mehr zu erwarten", betont Fels.

"Durchwursteln"
Eine der Gefahren, die Fels und seine Kollegen bei Pimco auf dem Schirm haben, sind die Turbulenzen rund um Italiens Staatshaushalt. Ein Staatsbankrott in einem Industriestaat stehe auf absehbare Zeit trotz der hohen Verschuldung jedoch nicht ins Haus, ist Fels überzeugt: "Zum einen können die vermögenden Privathaushalte herangezogen werden, zum anderen werden die Regierungen den Notenbanken weiter den Arm verdrehen, um die Zinslasten niedrig zu halten." Er rechnet mit einem weiteren "Durchwursteln", weil die Alternative – ein Schuldenschnitt – unabsehbare Folgen für das Finanzsystem und die Wirtschaft hätte. (bm)


Das vollständige Interview mit Joachim Fels lesen Sie in Ausgabe 4/2018 von FONDS professionell, die den Abonnenten in den kommenden Tagen zugestellt wird.