Es gibt langsame Fortschritte bei der Einführung einer Säulen übergreifenden, digitalen Renteninformation, auch Online-Rentenkonto oder neuerdings digitale Rentenübersicht genannt. Die Bundesministerien für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie für Finanzen (BMF) planten, im Juli 2020 einen Gesetzentwurf dazu vorzulegen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Derzeit liegt noch kein Gesetzentwurf vor, aber immerhin ein Referentenentwurf des BMAS zum "Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Transparenz in der Alterssicherung und der Rehabilitation sowie zur Modernisierung der Sozialversicherungswahlen (Gesetz Digitale Rentenübersicht)". Der wichtigste Punkt steht in Artikel 1: Es wird eine zentrale Stelle für die digitale Rentenübersicht errichtet, die ein elektronisches Portal betreibt, über das die Altersvorsorge-Übersicht abgerufen werden kann, deren Informationen verlässlich, verständlich und möglichst vergleichbar sein sollen.

Als Altersvorsorgeprodukte im Sinne des Gesetzes gelten alle Versicherungen, Zusagen und Verträge, auf deren Grundlage Leistungen der gesetzlichen, betrieblichen oder privaten Altersvorsorge in der Zukunft erbracht werden. Dazu zählen auch die berufsständischen Versorgungswerke, betriebliche Altersversorgung (bAV) und private Lebensversicherungen (samt Basis- und Riester-Renten), die "einmalige oder wiederkehrende Erlebensfallleistungen mit rentennahem Beginn des Leistungsbezugs erbringen" (Paragraf 2).

Gesetz hoffentlich bis Ende 2020, Betriebsbeginn 21 Monate danach
Eine erste Betriebsphase soll 21 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes beginnen und nach zwölf Monaten enden (Paragraf 4). Das Gesetz soll überwiegend am Tag nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten (Artikel 13). Da im Moment parlamentarische Sommerpause ist und zunächst die Abstimmung mit dem BMF ansteht, ehe der Bundestag einen Gesetzentwurf beschließen kann, bleibt es wohl bei dem Ziel, das Gesetzgebungsverfahren bis Ende 2020 abzuschließen.

Das Online-Rentenkonto könnte dann im Oktober 2022 mit der ersten Betriebsphase an den Start gehen. Es soll bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV-Bund) angebunden werden. Das Tool wird schon vorhandene Mitteilungen von Altersvorsorgeträgern konsolidieren, die private Versicherer und die gesetzliche Rentenversicherung auch jetzt schon regelmäßig verschicken. Im September 2023 wird dann eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Entwurf spiegelt Studie wider
Inhaltlich zufrieden mit dem Referentenentwurf zeigt man sich beim Risiko- und Vorsorgeberater Aon, der zusammen mit der Universität Ulm 2019 für das BMAS eine Studie dazu präsentiert hatte, die in weiten Teilen in den Entwurf eingeflossen ist. "Das ist eine erfreuliche Entwicklung in Sachen Rentendurchblick", betont Gundula Dietrich, die bei Aon für das Gutachten mitverantwortlich war.

"Für große Bereiche der bAV wird es zwar zunächst keine Verpflichtung geben, doch wir erwarten, dass auch Träger von Direktzusagen und Unterstützungskassen auf freiwilliger Basis flächendeckend mitmachen", so die Partnerin und Aktuarin bei Aon weiter. Es sei nicht nötig, alle Daten an einer Stelle zu speichern. Vielmehr sollen die jeweiligen Informationen erst durch die Nutzer abgerufen werden. "Das ist auch im Sinne des Datenschutzes zweckmäßig", sagt Dietrich.

Im Referentenentwurf steht dazu sinngemäß: Erforderlich ist eine sichere elektronische Authentifizierung des Nutzers. Nach der abschließenden Bearbeitung einer Abfrage dürfen die Daten nur mit Einwilligung des Nutzers durch die zentrale Stelle im Portal gespeichert werden – ansonsten sind sie zu löschen (Paragraf 10).

Private Tools vor staatlichem Rentenkonto am Start
Versierte Vorsorgeberater warten natürlich nicht bis Herbst 2022, um ihre Kunden zu sensibilisieren. Schließlich benötigen Versicherungsmakler praktisch für jedes Beratungsgespräch zur Altersvorsorge einen ungefähren Überblick der Versorgungsansprüche des Kunden. Dazu gibt es zahlreiche Tools und Programme, die auch heute schon gesetzliche und betriebliche Ansprüche integrieren. Kürzlich hat die Allianz Lebensversicherung beispielsweise ihren "Rentenkompass" für jedermann freigeschaltet (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Bereits vor der Allianz haben einige Fintechs digitale Renteninformationen bereitgestellt. Im Herbst 2017 war der Onlinemakler Clark Germany mit einer digitalen Übersicht zu Rentenansprüchen ("Renten-Cockpit") gestartet (FONDS professionell ONLINE berichtete). Im März 2018 folgte die Plattform Fairr.de mit ihrem "Vorsorge-Cockpit". Dort kann man die aktuellen gesetzlichen Rentenansprüche eingeben und sämtliche betrieblichen und privaten Altersvorsorgeverträge eintragen oder hochladen. (dpo)