Der deutsche Häuser- und Wohnungsmarkt ist bislang beinahe unbeschadet durch die Coronakrise gekommen. Obwohl die Wirtschaft unter der Pandemie leidet, haben Mieten und Immobilienpreise weiter angezogen. Das hat eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergeben, über die das "Handelsblatt" berichtet. Die Lage könnte allerdings noch drehen: Eine zweite Infektionswelle würde den Immobilienmarkt wohl drastisch in Mitleidenschaft ziehen. "Auch ohne eine große Immobilienpreisblase könnte es dann zu deutlichen Wertkorrekturen und Kreditausfällen kommen", warnt Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik beim DIW. 

Turbulenzen auf dem Immobilienmarkt und kippende Kredite wären nicht nur für Banken ein Problem, sondern auch für Privathaushalte und Investoren. "Letztlich könnte eine gefährliche Abwärtsspirale aus sinkenden Einkommen, sinkenden Preisen und einer weiter schrumpfenden Wirtschaft in Gang kommen", so Michelsen. Sein Rat: Die Politik sollte ihre Corona-Hilfen, inklusive Kurzarbeitergeld und leichterem Zugang zu Wohngeld, auf jeden Fall aufrechterhalten. Nach Erkenntnissen des DIW waren es gerade diese Maßnahmen, die den Immobilienmarkt in den vergangenen Monaten gestützt und größere Mietausfälle verhindert haben.

Weitere Preissteigerungen in Sicht
Anzeichen für eine Preisblase auf dem Immobilienmarkt sehen die DIW-Experten nicht. Der Trend zu höheren Preisen dürfte sich sogar trotz der grassierenden Pandemie fortsetzen. Gegenüber dem ersten Jahresquartal haben sich Wohnungen und Häuser zuletzt um 1,4 Prozent verteuert, schreibt das "Handelsblatt" unter Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug der Preisanstieg sogar 5,6 Prozent. "Wir haben einfach zu wenige Wohnungen und zu wenig Bauland", zitiert die Wirtschaftszeitung Reiner Braun vom Analysehaus Empirica. "Das spricht dafür, dass die Preise weiter steigen – zumal die Zinsen so niedrig bleiben." (fp)