Seit der Finanzkrise halten die Zentralbanken die Zinsen niedrig mit dem Ziel, die Inflation zu stimulieren. Mit mäßigem Erfolg – bis jetzt. Die Rohstoffpreise haben schon deutlich angezogen. Und auch die allgemeine Inflationsrate ist im Januar in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gestiegen. Dabei wirkten die Energiepreise sogar noch inflationsermäßigend. Bald könnte sich auch das drehen, glaubt Ulrich Kaffarnik, Vorstand beim Fondsanbieter DJE. "Wir sehen ab dem zweiten Quartal einen Aufwärtstrend für Inflation – und rechnen damit, dass sich dieser im Jahresverlauf fortsetzt."

Die Notenbanken der USA und EU haben ihre Inflationsziele bereits korrigiert. Im Herbst vergangenen Jahres kündigte die US-amerikanische Federal Reserve an, eine Teuerungsrate von mehr als zwei Prozent für einen gewissen Zeitraum zu tolerieren, wenn sie zuvor lange Zeit darunter geblieben ist. Auch die Leitzinsen will sie vor 2023 nicht erhöhen. Ob die Zentralbank an diesem Vorsatz festhalten kann, ist dem Strategen zufolge aber fraglich. "Keine Frage, je länger der Inflationsanstieg dauert, desto stärker wird der Druck auf die Notenbanken", sagt er.

Steigende Zinsen sind gesund
Für die Finanzmärkte sind geringe oder sinkende Zinsen gut, erklärt Kaffarnik. Denn je niedriger das Zinsniveau, umso höher ist der Bewertungsfaktor für Aktien. Auch Unternehmen profitieren auf den ersten Blick. "Je geringer die Zinsen, umso geringer der Zinsaufwand – das wirkt sich isoliert betrachtet erst einmal positiv auf die Gewinne aus", sagt der Stratege. 

Andererseits ist es aber gesund, wenn Zinsen steigen. Denn das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur wieder erholt und "die Unternehmen Spielräume haben höhere Preise an die Kunden weiterzugeben", erklärt Kaffarnik. Außerdem gelte, dass Aktienkurse historisch betrachtet in Phasen steigender Zinsen wesentlich besser laufen als in Phasen fallender. (fp)