„Eine zunehmende Zahl skandinavischer Unternehmen profitiert vom Wachstum in den Schwellenländern und erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil ihrer Gewinne dort“, erklärt Karl G. Høgtun, Leiter des Nordic Equity Teams und Portfoliomanager bei DNB AM.  Den Experten überzeugt die Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke einzelner Unternehmen. Dazu zählt zum Beispiel der norwegische Browser-Anbieter Opera Software. Das weltweit tätige Unternehmen trägt seit Jahren zur positiven Wertentwicklung des von Høgtun verwalteten nordischen Aktienfonds DNB Scandinavia bei. „Am Beispiel Opera sieht man, dass die skandinavischen Unternehmen einen Großteil ihrer wirtschaftlichen Kraft aus innovativen Projekten und über das Geschäft in den Schwellenländern beziehen“, sagt Høgtun. Der 1994 in Norwegen als Forschungsprojekt gegründete Software-Entwickler erzielte im Jahr 2011 über ein Viertel seines Umsatzes im asiatisch-pazifischen Raum. In Asien ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von über 30 Prozent positioniert, in Afrika sind es sogar 65 Prozent. Auch Novo Nordisk, globaler Akteur im Bereich der Diabetes-Pharmazie, zählt aufgrund seiner Innovationskraft sowie seiner Marktführerschaft in China und Indien zu Høgtuns Favoriten. Bereits in den 1960er Jahren führte Novo Nordisk seine Produkte in China ein.

Als besonders attraktiv schätzt Høgtun auch den finnischen Reifenhersteller Nokian Renkaat ein, dessen Gewinn im ersten Quartal 2012 über den Erwartungen lag. Das Unternehmen ist auf Winterreifen für Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge spezialisiert. „Durch die Fokussierung auf hochwertige Produkte besitzt der Konzern eine im Vergleich zur Branche überdurchschnittlich hohe Profitabilität“, erklärt Høgtun. Zudem profitiere Nokian Renkaat von der Nähe zu Russland mit seinem boomenden Automobilmarkt. Dort sei der Bedarf an Winterreifen wegen der klimatischen Bedingungen besonders groß.

Erfolg auf Norwegisch
„Die norwegischen Unternehmen konnten 2011 ihr drittbestes Jahr seit 1995 verzeichnen, während der Rest von Europa mit der Finanzkrise zu kämpfen hatte“, erklärt Høgtun. Die Unternehmen konnten sowohl ihren Umsatz als auch ihre Margen steigern. „Hierzu trugen vor allem Norwegens Öl- und Gasexporte bei“, so Høgtun. Das Volumen der Rohölexporte habe sich zwar seit 2002 ungefähr halbiert, der Preis habe sich im gleichen Zeitraum jedoch verdreifacht. Doch nicht nur Norwegen stehe gut da. „Die skandinavischen Länder verfügen über eine geringe und sogar weiter sinkende Arbeitslosigkeit, teilweise auch über Budget-Überschüsse der staatlichen Haushalte, positive Außenhandelsbilanzen und starke Währungen.“ Ein Investment in Aktien norwegischer und schwedischer Unternehmen biete Investoren zudem die Chance, ihr Portfolio mit unabhängigen Währungen zu diversifizieren.

Optimistisch für mittelfristiges Risiko-Gewinn-Verhältnis
„Selbst bei konservativen Gewinnprognosen für die skandinavischen Unternehmen sind wir davon überzeugt, dass Anleger in diesen Märkten auf mittlere Sicht ein sehr attraktives Risiko-Gewinn-Verhältnis vorfinden“, so Høgtun. Angesichts der weltweiten Konjunkturunsicherheit, der fiskalischen Herausforderungen in den großen Industriestaaten sowie des Abwärtstrends des Ölpreises der vergangenen Wochen – die nordische Region ist stark vom Energiesektor abhängig – scheint es schwer, die Gewinnentwicklung der skandinavischen Unternehmen im laufenden Jahr exakt einzuschätzen. Fondsmanager Karl  G. Høgtun erwartet für die nordische Region bis Ende des Jahres eher eine flache BIP-Entwicklung von rund drei Prozent; für 2013 hält er jedoch ein Unternehmensgewinnwachstum von bis zu zehn Prozent für möglich. (jb)