DNCA-Chefinvestor warnt EZB vor "schrecklichem Fehler"
Mit höheren Ölpreisen und mehr Inflation werden Realwert-Anlagen wieder wichtiger, sagt DNCA-Anlagechef François Collet. Noch unterschätzten die Märkte das Preisrisiko. Von den Notenbanken erwartet er in den nächsten Monaten Zurückhaltung.
Mit dem Iran-Konflikt müssen die meisten volkswirtschaftlichen Prognosen für dieses Jahr weitgehend neu geschrieben werden. Das Problem: Die weitere Entwicklung der Situation ist bislang kaum abzuschätzen, die Prognoseunsicherheit hoch. Für François Collet, Chief Investment Officer (CIO) bei DNCA, steht aber eines schon fest: Das Risiko einer Stagflation ist gestiegen, Anleger sollten entsprechend reagieren. Das sagte Collet auf einer Veranstaltung von Natixis Investment Managers, der Muttergesellschaft von DNCA.
Inflation dürfte anziehen
Zwar droht nach Meinung von Collet aktuell kein Energie- und Ölpreisschock wie 2022, Anleger sollten sich aber auf die Möglichkeit deutlich steigender Inflation und nachlassender Konjunktur einstellen. Für die USA rechnet Collet bereits auf dem aktuellen Ölpreisniveau mit einer Teuerungsrate von rund vier Prozent bis Jahresende. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich zudem tendenziell abschwächen. Am US-Arbeitsmarkt sei die Lage aufgrund der gegenläufigen Kräfte von stärkerem KI-Einsatz und rückläufiger Migration komplexer.
Viel hänge davon ab, wie sich der Ölpreis weiterentwickelt: "Wir wissen natürlich nicht genau, wo die Ölpreise hingehen", so Collet. Einen raschen Rückgang auf das Niveau vor der Krise hält er aber für weitgehend ausgeschlossen. Von den Notenbanken in Europa und den USA erwartet Collet in den kommenden Monaten Zurückhaltung. Eine Zinserhöhung der EZB wäre in der aktuellen Situation eines externen Preisschocks "ein schrecklicher Fehler", so Collet.
Die EZB hatte zuletzt die Leitzinsen konstant gehalten, allerdings rechnen die Märkte inzwischen mit bis zu 0,5 Prozentpunkte höheren Leitzinsen bis Ende des Jahres. Collet erwartet aber nicht, dass die EZB vor September die Leitzinsen verändern wird. Dasselbe gelte für die USA: Zum einen dürfte Jerome Powell vor Ende seiner Amtszeit im Mai die Zinsen nicht mehr erhöhen, zum anderen werde auch Kevin Warsh kaum seine Amtszeit mit einer Zinserhöhung beginnen.
Dollar ist überbewertet
Für den Dollar bleibt Collet trotz der jüngsten Stärke grundsätzlich skeptisch: Dass der Greenback zuletzt gegenüber dem Euro aufwertete, liege vor allem an der Stellung der USA als globaler Hauptenergielieferant. Wenn man sich das Zwillingsdefizit in Leistungs- und Staatsbilanz ansehe, sei der Dollar fundamental aber weiter deutlich überbewertet. Dazu dürften zahlreiche Staaten – auch in der Golfregion – ihre internationalen Devisenreserven aus dem Dollar noch stärker in Gold umschichten.
Überhaupt könnte Gold seiner Meinung nach einer der Gewinner sein, wenn das Vertrauen in den Dollar weiter schwindet. Das Edelmetall habe langfristig noch deutlich Luft nach oben. Für interessant hält Collet auch inflationsgeschützte Anleihen sowohl aus Europa als auch den USA. In beiden Währungsräumen preisten die Märkte aktuell noch zu geringe Inflationsraten ein. Bei Aktien sieht DNCA insgesamt gute Chancen in europäischen Aktien. Diese seien nach verschiedenen Maßstäben rund 40 Prozent günstiger als der US-Aktienmarkt. (jh)




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