2015 werden vermutlich mehrere Faktoren das Wachstum stützen, sagt Philippe Champigneulle, Fondsmanager der französischen Fondsboutique DNCA Finance: Die Zinsen dürften niedrig bleiben, wobei die kurzfristigen Zinsen in den USA ab Mitte des Jahres steigen könnten, weil die US-Notenbank Fed ihre Wachstums- und Arbeitsmarktziele weitgehend erreicht hat. Das werde sich nach und nach auf die langfristigen Zinsen auswirken. Die sinkenden Energiepreise dürften die Kaufkraft der Verbraucher und die Profitabilität der Unternehmen erhöhen. Die Euroschwäche werde sich positiv auf die Volkswirtschaften der Eurozone sowie die Exportunternehmen auswirken und könnte das BIP-Wachstum der Eurozone um zehn bis 30 Basispunkte steigern. Die Deflationsgefahr für die Eurozone werde derzeit überschätzt, so der Manager.

Die konjunkturellen Bedingungen dürften bei den europäischen Unternehmensergebnissen zu angenehmen Überraschungen führen, sagt Champigneulle. Das könnte sich ab Februar 2015 bei den Zahlen zum 4. Quartal 2014 niederschlagen. "Nachdem die Unternehmen seit drei Jahren ihre Ergebnisprognosen stets nach unten korrigiert haben, stabilisieren sie sich jetzt. Sollte sich der Trend wirklich wenden, werden die Aktienmärkte wesentlich attraktiver werden", erklärt der Fondsmanager. Außerdem könnten die europäischen Börsen gegenüber den amerikanischen aufholen. Zwar seien europäischen Aktien mittlerweile angemessen bewertet, doch die europäischen Unternehmensergebnisse lägen immer noch 30 Prozent unter den Rekordwerten von 2008, während die amerikanischen Unternehmen die Höchststände inzwischen um mehr als 20 Prozent überboten hätten.

Kurze Laufzeiten wählen
Den Rentenmarkt beurteilen die DNCA-Experten vorsichtiger. Er biete derzeit sehr schwache Renditen, die Anleger nicht mehr für das Risiko entschädigten, das sie eingehen. Eine mit Investment-Grade eingestufte Anleihe werfe heute über fünf Jahre im Schnitt ein Prozent ab, eine Hochzinsanleihe vier Prozent. "Das reicht bei Weitem nicht aus, schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass mit noch mehr Volatilität zu rechnen ist", sagt Champigneulle. Und wie in letzter Zeit festzustellen gewesen sei, korrigiere der Markt jedes Mal kräftig nach, wenn eine Intervention Mario Draghis enttäusche. "Aus diesem Grund empfehlen wir, wachsam zu bleiben, kurze Laufzeiten zu wählen, die Papiere selektiv auszusuchen und genügend Bares vorzuhalten, um Kaufgelegenheiten zu nutzen, an denen es nicht fehlen wird", rät der Fondsmanager. (fp)