Theoretisch sprach 2021 alles für das glänzende Edelmetall: explodierende Staatsschulden, das anhaltend niedrige Zinsniveau, galoppierende Inflationsraten und die fortlaufende Corona-Pandemie. All das hätte den sicheren Hafen Gold beflügeln müssen. De facto liegt die Goldnotierung heute um vier Prozent niedriger als noch ein Jahr zuvor. Doch mit Blick auf 2022 sprechen gleich mehrere Gründe für steigende Goldkurse, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. 

"Trotz erster Leitzinsanhebungen einiger Notenbanken und voraussichtlich steigender Zinsen für Staatsanleihen dürften angesichts des anhaltend stark erhöhten Inflationsdrucks tief negative Realzinsen verbreitet bleiben", sagt Mumm. Zudem dürfte der US-Dollar, der zuletzt von der Erwartung einer weniger expansiven US-Geldpolitik profitierte und damit den Goldkauf außerhalb des Dollar-Raums deutlich verteuerte, nicht mehr allzu schwach tendieren. An den Aktienmärkten sieht Mumm eine anhaltend hohe Volatilität – und aufgrund der erwarteten konjunkturellen Aufhellung im zweiten Halbjahr eine stärkere Goldnachfrage aus den Schwellenländern. "Einige Anzeichen deuten also auf bessere Zeiten für Goldanleger hin", folgert der Volkswirt. (fp)