Italiens neuer Premierminister Mario Draghi könnte dem wirtschaftlich gebeutelten Italien neuen Auftrieb geben. Davon geht Axel Angermann, Chefökonom der Feri-Gruppe, aus. "Das Vorhaben ist sehr ambitioniert, und man wird sehen müssen, ob Draghi gelingt, woran in diesem Jahrhundert bereits mehrere Ministerpräsidenten vor ihm gescheitert sind", kommentiert Angermann. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat für Italien umfassende Reformen geplant: Er will den Staatsapparat und die Justiz neu gestalten, die Digitalisierung vorantreiben und erneuerbare Energien sowie E-Mobilität fördern. 

Draghi wird eine stabile Regierungskoalition schmieden und die polarisierte italienische Politiklandschaft reformfähig machen müssen, wenn er Erfolg haben will. Aktuell kann der Premier auf eine breite Zustimmung im Parlament bauen, wie die Wahlen gezeigt haben. Eine der größten Herausforderungen steht dem ehemaligen EZB-Chef allerdings noch bevor: Er muss 209 Milliarden Euro an EU-Hilfen zwischen Investoren und Corona-Verlierern verteilen. Eine Aufgabe, an der bereits die Vorgängerregierung unter Giuseppe Conte zerbrochen ist.

Scheitern ist keine Option
Immerhin: Ein ähnliches Szenario wie in Griechenland schließt Angermann in Italien aus. Draghis griechische Amtskollegen Papadimos und Samaras hatten Modernisierungen mithilfe eines Sparprogramms geplant und waren damit gescheitert. Draghi beginnt seinen neuen Reformkurs dagegen mit finanziellen Anreizen für die Wirtschaft. Allerdings sind Draghi und Italien "auch zum Erfolg verdammt", warnt Angermann, denn "ein Scheitern würde wohl endgültig den Sieg europafeindlicher Populisten und damit ein Ende der Mitgliedschaft Italiens im Euroraum nach sich ziehen." (fp)