Das Interesse der Deutschen an einem frühzeitigen Ruhestand ohne Abschläge wächst stetig. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) sind allein zwischen Januar und Oktober 2018 knapp 100.500 entsprechende Anfragen bei den Beratern der Rentenversicherung eingegangen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 ließen sich rund 116.000 Bundesbürger beraten, wie sie – trotz vorgezogenen Ruhestands – ihre Rentenabschläge minimieren können.

Das gestiegene Interesse der Deutschen lässt sich laut SZ auf das "Flexirentengesetz" zurückführen. Es trat im Juli 2016 in Kraft. Seither kann jeder, der in der gesetzlichen Rentenkasse versichert ist, ab dem 50. Lebensjahr freiwillig Ausgleichszahlungen leisten, wenn er abschlagfrei früher in Rente gehen will. Besonders attraktiv ist das für diejenigen, die 1964 oder später geboren sind und eigentlich bis 67 arbeiten müssten. Das Gesetz erleichtert es ihnen, bereits mit 63 Jahren in Rente zu gehen und dabei eigentlich fällige Kürzungen zu vermeiden.

Frauen müssen höhere Abschläge hinnehmen
Die Rechnung ist simpel: Jeder Monat, den man eher in Rente geht, reduziert die staatlichen Bezüge um 0,3 Prozent. Pro Jahr sind es demnach 3,6 Prozent. Einer Anfrage der Grünen zufolge geht derzeit etwa jeder vierte Neurentner mit Abschlägen in den Ruhestand, berichtet die "Tagesschau". Im Durchschnitt gehen die Deutschen demnach zwei Jahre früher in Rente. Bei Frauen liegt der Abschlag im Schnitt bei 26 Prozent. Bei Männern sind es rund 20 Prozent. (fp)