Deutschland ist wahrscheinlich im zweiten Halbjahr 2018 in eine "technische Rezession" gerutscht. "Nach dem schwachen dritten Quartal dürfte das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nahezu stagniert haben", schreiben die Investmentprofis der DWS in einer Blitzeinschätzung. Eine "technische" Rezession definiere sich demnach als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum – und zeige zugleich, wie unsinnig die weit verbreitete Definition einer Rezession ist.

"Demnach wäre ein BIP-Rückgang um 0,1 Prozent in zwei Quartalen eine Rezession, während ein fünfmal stärkerer Einbruch der Wirtschaftsleistung um ein Prozent in einem Quartal, gefolgt von einem Nullquartal, jedoch keine wäre", erläutern die DWS-Spezialisten. Deswegen sei die wissenschaftliche Definition auch wesentlich breiter gefasst. "Wir würden bei einer Unterauslastung der Ressourcen von einer Rezession sprechen."

Gänzlich sollten Anleger aber auch nicht entspannen, wie ein Blick auf die fallenden Renditen deutscher Bundesanleihen zeigt. Pikant daran sei, dass das sowohl für Nominalrenditen von Bundesanleihen gelte wie auch für die Renditen von inflationsindexierten länger laufenden Bundesanleihen, wie der "Chart of the Week" der DWS zeigt:

Zweijahrestief spricht für wirtschaftliche Schwäche
Die Differenz zwischen realen und nominalen Renditen – ein wichtiger Indikator für die allgemeinen Inflationserwartungen – ist ebenfalls gefallen – im Laufzeitbereich zehn Jahre sogar auf ein neues Zweijahrestief. Das alles spricht laut der DWS nicht gerade für eine große wirtschaftliche Dynamik. Auch habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Januar die Nettoneuzukäufe von Wertpapieren im Rahmen ihres Kaufprogramms eingestellt. "Der Wegfall des volumengewichtigsten Käufers hätte eigentlich eher für steigende Renditen gesprochen."

Nur häufen sich inzwischen die Anzeichen von konjunkturellen Schwäche in der Eurozone, vom fallenden Ifo-Index und deutlich niedrigeren Einzelhandelsumsätzen in Deutschland im Dezember 2018, über schwache Einkaufsmanagerindizes in Frankreich und Italien. Diverse politische Risiken könnten zusätzlich belasten, vom Brexit-Chaos bis hin zum eskalierenden Handelskonflikt zwischen China un den USA.  "Sollten sich die Wachstumsaussichten tatsächlich deutlich verschlechtern, ist nicht ausgeschlossen, dass die EZB ihre Nettozukäufe wieder aufnimmt, was die Renditen weiter drücken würde", erklärt Ulrich Willeitner, Portfolio Manager der DWS für europäische Staatsanleihen. (aa/ps)