Wie immer verfolgen Aktionäre dieser Tage die Quartalsberichte von Unternehmen mit Hochspannung. Für viele sind die damit verbundenen Analystenerwartungen ein grundlegender Faktor in der Halten-, Kaufen- oder Verkaufen-Frage ihrer Anteilscheine. Allerdings sollten Anleger gegenüber der Analystenerwartungen gerade in der anlaufenden Berichtssaison Vorsicht walten lassen, empfehlen Experten der Fondsgesellschaft DWS. Grund: Die Erwartungen fußen mehr als sonst üblich auf den Zukunftsaussichten der Unternehmen als auf den berichteten Zahlen. Und diese Aussichten sind laut der DWS oft zu optimistisch.

Das gelte vor allem für Konsensschätzungen, die Analysten rund zwei Jahre im Voraus aufstellen. Außerdem unterschätzen Experten immer wieder die Dynamik von Auf- und Abschwüngen, wie obiger Chart zeigt. Das war bereits in der Finanzkrise der Fall: Analysten mussten ihre Schätzungen für das Jahr 2009 nachträglich nach unten korrigieren, für das Jahr 2010 dagegen nach oben. Auch die Schätzungen für die aktuelle Wirtschaftskrise lagen daneben: "Seit dem Spätherbst müssen die Analysten die 2020er, -21er und -22er Prognosen nach oben anpassen", heißt es in der DWS-Kurzstudie. Grund sind vor allem die Impfzulassungen und Joe Bidens Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen. "Allein seit Anfang des Jahres wurden die 2021er Schätzungen für die Gewinne des Stoxx 600 um 13 Prozent und für den S&P 500 um 15 Prozent erhöht."

Schätzungen hinken hinterher
Allerdings ist zu erwarten, dass die Kurse den Schätzungen einen Schritt voraus sind, erklären die DWS-Experten. Das liege zum einen daran, dass die Marktentwicklung die Entscheidung der Analysten mitbeeinflusst. Außerdem werden die Schätzungen nicht täglich revidiert. Hinzu kommt, dass viele Marktteilnehmer bereits einpreisen, dass die Erwartungen der Analysten übertroffen werden. Mit Positiv-Überraschungen auf dem Markt ist also kaum zu rechnen. "All diese taktischen Marktspielchen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kurse sich langfristig eben doch an den ausgewiesenen Gewinnen orientieren", lautet das Fazit der DWS. (fp)