Die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken verhalf in der Finanzwelt einem Prinzip zum Durchbruch, das unter dem Kürzel TINA bekannt ist: There is no alternative. "Nach dem TINA-Prinzip sind Aktien in einem Ultraniedrigzinsumfeld alternativlos", erklärt Thomas Schüßler, Anlagestratege bei der DWS. Die Aktienmärkte dürften noch eine ganze Weile nach der TINA-Pfeife tanzen, weil sich mit jedem Tag die Schar der Staatsanleihen mit negativen nominalen Renditen vergrößert.

Anleger sollten allerdings wachsam sein. Denn sinkende Anleiherenditen sind häufig Vorboten einer Rezession, die mit rückläufigen Wachstum und Unternehmensgewinnen einher geht. "Niedrige Zinsen können höhere Bewertungen nur so lange rechtfertigen, wie die Gewinnerwartungen stabil bleiben. Und genau dies war einer der Gründe für unsere erhöhte Vorsicht zu Beginn des Sommers – wir hielten die Gewinnwachstumserwartungen über weite Strecken dieses Jahres für zu hoch", erklärt Schüßler.

Viele Alternativen im Aktienuniversum
Wäre die Geldpolitik der einzige Treiber der Aktienkurse, dann müssten sich Investoren also durchaus Sorgen machen. "Das ist glücklicherweise nicht der Fall", sagt der Anlagestratege. Grund: Die Aktienmärkte seien in den letzten zehn Jahren hauptsächlich vom US-Markt getrieben worden. "Aktien außerhalb der USA handeln heute noch – in US-Dollar gerechnet – unter dem Niveau von Januar 2008", sagt Schüßler. Einer der Gründe ist, dass in US-Aktienindizes Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich und besonders mit Schwerpunkt auf digitale Technologien wesentlich stärker vertreten sind als beispielsweise in europäischen Indizes. Schüßlers Fazit: "Es mag nur wenige Alternativen zu Aktien geben, aber viele Auswahlmöglichkeiten innerhalb des globalen Aktienuniversums." (fp)