Stefan Hoops ist seit knapp fünf Monaten Chef der DWS. Er folgte auf Asoka Wöhrmann, der unter anderem wegen der Greenwashing-Vorwürfe gegen die Deutsche-Bank-Tochter gehen musste. Mit diesen Vorwürfen muss sich auch Hoops weiter beschäftigen. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" geht er sie aber offensiv an und führt unter anderem auch aus, welche Probleme Asset Manager grundsätzlich bei nachhaltigen Investments haben. 

So betont Hoops gegenüber der Zeitung, dass für ihn und die DWS die Aufarbeitung der Vorwürfe, zu vollmundig mit Nachhaltigkeitsversprechen gewesen zu sein, Priorität habe. "Es mag stimmen, dass das Thema in der Vergangenheit sehr lautstark vertrieben wurde. Aber wir sind jetzt mit unseren internen Untersuchungen fast fertig, und wir stehen auch weiterhin zu unseren Finanzberichten und Prospekten", so Hoops.  

Restriktionen bei ESG-Engagements
Allerdings gebe es hinsichtlich Nachhaltigkeit auch gewisse Restriktionen für Asset Manager: "Wir müssen uns an dem für uns investierbaren Universum orientieren – also an der Summe der Unternehmen, die wir mit unseren Anlagemöglichkeiten erreichen können. Davon kann eine große Fondsgesellschaft wie die DWS nicht einfach so abweichen", gibt Hoops zu bedenken.

Ein anderes Beispiel für Probleme und damit Restriktionen bei ESG-Investments ist etwa der Ausschluss von Unternehmen, die fossile Energien fördern: So einfach ist das dem DWS-Chef zufolge nicht, denn es könne genauso wichtig sein, sein Geld in einem klassischen Ölkonzern anzulegen. "Denn nur im letzteren Fall haben Sie die Möglichkeit, als großer Aktionär Druck auf die Unternehmen auszuüben und sie so dazu zu bringen, sich zu verbessern", beschreibt Hoops das Problem.

Kontrollinstanz eingerichtet
Die DWS habe für solche "Impact-Investments" ein "Sustainability Oversight Office" eingerichtet, das als Kontrollinstanz fungieren und sicherstellen soll, dass die DWS die eigenen nachhaltigkeitsbezogenen Regelwerke auch konsequent umsetzt: "Wie gehen wir zum Beispiel mit Aktiengesellschaften um, die sich nicht in die Richtung bewegen, in die wir möchten? Wie viel Zeit geben wir ihnen für die Transformation, und wann steigen wir aus? All das wollen wir nun noch stärker nachhalten", beschreibt er gegenüber der "FAS" die Fragestellungen, die die neue Einheit beschäftigen.

Das Interview dreht sich aber nicht nur um Nachhaltigkeit und Greenwashing. Die aktuelle Marktsituation ist auch ein Thema: "Die nächsten Monate werden holprig. Aber mit Blick auf die europäischen Börsen bin ich grundsätzlich weniger pessimistisch als viele andere", sagt Hoops. Er begründet seine Einschätzung damit, dass viele schlechte Nachrichten wie etwa die Abhängigkeit vieler Unternehmen in Deutschland von russischem Gas bereits in den Kursen enthalten seien. (jb)