Noch immer weiß niemand, wie groß der wirtschaftliche Schaden durch die Covid-19-Pandemie ausfallen wird. Klar ist nur: Er wird beträchtlich sein. Das "Schockfrosten" des sozialen und wirtschaftlichen Lebens lässt die globale Konjunktur in Rekordzeit in eine scharfe Rezession stürzen, kommentiert Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS. "Die Auswirkungen der zahllosen Maßnahmen zu quantifizieren fällt schwer, zumal sich diese der dynamischen Situation geschuldet auch fortlaufend ändern", sagt er.

In China ging der Handel mit Pkw im Februar gegenüber dem Vorjahr um rund 80 Prozent zurück. Die Industrieproduktion sank um 13 Prozent, der Umsatz im Handel brach um 22 Prozent ein. Diese Werte könnten als Indizien dafür dienen, mit welchem Schaden Europa durch die Corona-Krise rechnen muss. Einige Sektoren dürften dabei stärker leiden als andere. "Einige könnten sogar profitieren, wie etwa die Hersteller von medizinischen Geräten und Ausrüstung, so denn ihre Lieferketten verschont bleiben", sagt Moryson.

Besserung im dritten Quartal
Rechnet man die voraussichtlichen Ausfälle in der Eurozone zusammen, unter Berücksichtigung des Gewichts einzelner Sektoren, kommt man laut dem DWS-Volkswirt auf einen Ausfall von rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Als Faustformel kann man ansetzen: rund 1,5 Prozent des jährlichen BIP pro Lockdown-Monat. "Dabei sind die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlich stark getroffen", präzisiert Moryson. Deutschland wird etwa überproportional stark in Mitleidenschaft gezogen, weil das verarbeitende Gewerbe einen besonders großen Anteil an der gesamten Wertschöpfung hat. Italien und Spanien leiden wiederum massiv, weil sie zu einem Gutteil vom Tourismus leben, der nun brachliegt.

Bei der DWS geht man davon aus, dass die zahlreichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen höchstens bis in den Mai hinein bestehen bleiben. "Im dritten Quartal sollte somit eine gewisse Normalisierung der Umstände einsetzen", prophezeit Moryson. Er rechnet damit, dass sich im Laufe der Zeit präzisere, mildere und damit auch wirtschaftlich weniger kostspielige Formen der sozialen Distanzierung durchsetzen werden. "Daraus ergibt sich ein Wachstumsbild, das moderater ausfällt als viele andere, deutlich pessimistischere Szenarien, die derzeit zirkulieren", so der Stratege. Unterm Strich rechnet die DWS für das Gesamtjahr 2020 in der Eurozone mit einem BIP-Rückgang von fünf Prozent. (fp)