Joseph Robinette Biden Junior wird am 20. Januar 2021 als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. "Angesichts der jüngsten Entwicklungen lässt sich dieser Satz wohl zunehmend ohne einschränkende Nebenbedingungen sagen", erklärt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS. Anleger sollten auf Basis dieses Wahlergebnisses aber keine langfristigen Investmententscheidungen treffen, mahnt er. Das hat drei Gründe: Unsicherheit über die künftige Politik, über die Auswirkungen dieser Politik auf Wirtschaft und Unternehmen, sowie darüber, was der Markt bereits eingepreist hat.

Kreuzkamp weist darauf hin, dass auch nach Bidens Wahlsieg vieles in der Schwebe bleibt, etwa, wie das Kabinett des 46. US-Präsidenten aussehen wird und auf welche Parteiflügel der Demokraten er während seiner Amtszeit Rücksicht nehmen wird. Zudem ist immer noch unklar, welche Partei die Mehrheit im Senat erringt. "Das sind eine Menge Fragezeichen", betont der Stratege. Selbst wenn sich der Nebel lichtet, wird sich nicht so einfach sagen lassen, welche Folgen Bidens Politik für die Märkte hat. So ist etwa höchst ungewiss, inwieweit politische Prioritäten wirtschaftliche Kennzahlen überhaupt beeinflussen.

Politische Börsen haben kurze Beine
Wenn die Politik nur einer von vielen Faktoren für die Gewinnaussichten von Unternehmen ist, dann gilt das erst recht für die Bewertungen an der Börse. "Trumps Unterstützung der Ölwirtschaft etwa hat dieser angesichts globaler Überkapazitäten wenig geholfen", gibt der DWS-Experte zu bedenken. Dazu gesellt sich die Frage, inwieweit Investoren einen Sieg Bidens und eine womöglich geteilte Regierung schon eingepreist haben. "Allein der volatile Handel im Umfeld der Wahl lässt da viel Interpretationsspielraum", sagt Kreuzkamp. Tiefgreifende Anlageentscheidungen sollte man aus Bidens Wahlsieg also nicht ableiten. (fp)