Die USA erleben derzeit ein Jobwunder, das beinahe zu schön ist, um wahr zu sein. Aller Hiobsbotschaften zum Trotz sank die Arbeitslosenquote zuletzt von 14,4 Prozent auf 13,3 Prozent. Zu verdanken ist das vor allem der raschen Erholung im privaten Sektor, sagt Christian Scherrmann, für die USA zuständiger Volkswirt bei der DWS. Die Anzahl der Beschäftigten stieg um rund drei Millionen.

Die größten Zuwächse verzeichnete der Dienstleistungssektor. Vor allem die zuvor stark gebeutelten Sektoren Freizeit und Gastgewerbe stellten wieder ordentlich ein, 1,2 Millionen Menschen fanden in diesem Sektor einen neuen Broterwerb. Es folgen die Sektoren Gesundheit und Bildung mit einem Plus von 424.000 sowie der Einzelhandel mit 367.000 neuen Beschäftigten. "Ein Rückgang des durchschnittlichen Stundenlohns um ein Prozent gegenüber dem Vormonat deutet darauf hin, dass viele Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor den Weg zurück in die Beschäftigung gefunden haben", sagt Scherrmann. Die Lockerung einiger Pandemiebeschränkungen in vielen Bundesstaaten habe wahrscheinlich ebenso dazu beigetragen wie großzügige Rettungsprogramme der Regierung.

Temporäre Effekte
So sieht das Paycheck Protection Program (Lohnschutzprogramm) beispielsweise vor, Unternehmen Darlehen zu erlassen, sollten bestimmte Kriterien erfüllt sein – wie eben Mitarbeiter auf der Gehaltsliste zu lassen oder diese rasch wieder einzustellen. "Somit könnte die durchweg positive Entwicklung am US-Arbeitsmarkt auch auf temporäre Effekte und damit weniger auf wirtschaftliche Dynamik zurückzuführen sein", analysiert der Experte. Als besseren Anhaltspunkt für den eigentlichen Zustand des Arbeitsmarktes empfiehlt er den Blick auf die sogenannte Unterbeschäftigungsquote. Sie liegt noch immer bei über 20 Prozent. (fp)