Die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) befindet sich zwischen Krisenmodus und Aufbauhilfe, sagt Christian Scherrmann, Volkswirt beim Asset Manager DWS. Am Mittwochabend hatte die Fed verkündet, dass die Leitzinsen aufgrund der Coronakrise noch für eine lange Zeit sehr niedrig bleiben werden. "Die Unsicherheiten sind nach wie vor groß, und die Aussichten implizieren einen langen Weg zur endgültigen Erholung", sagt Scherrmann.

Der Aktienmarkt reagierte heftig auf die Nachrichten aus den USA, an Fronleichnam rutschte der deutsche Leitindex Dax um 4,5 Prozent ins Minus. Damit schloss der Index erstmals seit Ende Mai unter der Marke von 12.000 Punkten. "Aus den aktualisierten volkswirtschaftlichen Prognosen der Fed geht hervor, dass eine vollständige Erholung der Wirtschaft auf Vorkrisenniveau erst im Jahr 2022 erwartet wird und die Inflation über den gesamten Prognosehorizont unter dem Ziel von zwei Prozent bleiben könnte", erläutert Scherrmann.

Keine Entwarnung in Sicht
Fed-Chef Jerome Powell äußerte sich zudem zu dem überraschend positiven Arbeitsmarkbericht aus dem Vormonat. Trotz der guten Ergebnisse bliebe die Arbeitslosigkeit, insbesondere für Niedriglohnempfänger, nach wie vor historisch hoch. Außerdem betonte Powell die Wirksamkeit der geldpolitischen Maßnahmen der Fed, die das Volumen der Ankäufe beibehalten wolle. Obwohl es Anzeichen für eine Stabilisierung gibt, bliebe die Fed entschlossen, ihr gesamtes Instrumentarium einzusetzen. (fp)