Der US-Dienstleistungssektor galt bislang unter Ökonomen und Investoren als vergleichsweise krisenfest, das verarbeitende Gewerbe hingegen als launisch. "Dann kam Covid-19 und kassierte diese Gewissheit, denn die Präventionsmaßnahmen haben dem Dienstleistungssektor am meisten zugesetzt", beobachten die Experten der Fondsgesellschaft DWS. Wie heftig der Schlag genau ausfällt, zeige der US-Beschäftigungsbericht vom April. Er veranschauliche auch, was nicht nur der US-Wirtschaft, sondern allen weiteren Volkswirtschaften drohen könnte, die nicht über generöse Unterstützungsprogramme verfügen, wie die europäischen "Kurzarbeitsprogramme".

"So wirkt ein Verlust von 20 Millionen Arbeitsplätzen innerhalb nur eines Monats ohnehin schon erschreckend genug", erläutern die DWS-Experten weiter. "Doch erst die Einzelheiten des Beschäftigungsberichts offenbaren das ganz Ausmaß des größten wirtschaftlichen Schocks seit dem Zweiten Weltkrieg. Das verarbeitende Gewerbe wurde zwar hart getroffen: Die Zahl der Arbeitsplätze ging im Vergleich zum Februar um durchschnittlich elf Prozent zurück. Für den Dienstleistungssektor sei das Bild jedoch noch düsterer: Hier betrug der Rückgang in denselben zwei Monaten mehr als 16 Prozent. Sektoren wie Freizeit und Gastgewerbe sind von den Schutzmaßnahmen am stärksten betroffen. Im Mode-Einzelhandel ging die Beschäftigung gar um 59, und im Tagestourismus um fast 70 Prozent zurück.

Stundenlohn steigt im Schnitt
Zunächst positiv erscheint, dass der durchschnittliche Stundenlohn im April um 4,7 Prozent gestiegen ist. "Das klingt gut, ist aber schlecht", so die DWS-Analysten. "Denn dieser Anstieg beruht nicht etwa auf Lohnerhöhungen jener Glücklichen, die ihren Job behalten haben. Sondern er kommt von Geringverdienern, die ihren Job verloren haben." Entfallen sie aus der Statistik, erhöhe sich automatisch der Durchschnittswert des Stundenlohns. Die meisten dieser Niedrigverdiener arbeiten wiederum im Dienstleistungssektor. "Anders ausgedrückt: Der wirtschaftliche Schock trifft den ärmeren und weniger geschützten Teil der Gesellschaft am stärksten", so die DWS-Experten.

Ob die eilig in den Staaten verabschiedeten Programme zur direkten Unterstützung von kleineren Unternehmen und Haushalten, oder eine Variante der etablierten europäischen Modelle, die einen stärkeren Fokus auf Arbeitsplatzerhaltung legen, letztlich zielführender sind, dürfte Gegenstand akademischer Debatten über die nächsten Jahre sein. (kb/fp)