Die Aktienmärkte werden nach Einschätzung der DWS weiterhin stark vom Thema künstliche Intelligenz (KI) geprägt. Benjardin Gärtner, Global Head of Equity, betonte vor Journalisten in Frankfurt, dass sich der Markt zunehmend in zwei Teile spalte: Unternehmen, die direkt oder indirekt von KI-Infrastrukturinvestitionen profitieren, und solche, deren Geschäftsmodelle durch KI unter Druck geraten könnten.

"Wir haben einen zweigeteilten Aktienmarkt: Die Technologiethemen sind sehr gut unterstützt, aber der zweite Teil ist in einer Art Wartestellung", sagte Gärtner. Die anhaltenden KI-Investitionen seien ein wesentlicher Grund dafür, dass die Aktienmärkte trotz höherer Ölpreise, steigender Inflationserwartungen und höherer Renditen stabil geblieben seien.

Tobias Rommel, Portfoliomanager Global Equities, verwies auf die massive Investitionswelle der großen US-Technologiekonzerne. Für dieses Jahr bewegten sich die Investitionen in KI-Infrastruktur in Richtung 800 Milliarden US-Dollar, nochmals erheblich mehr als im Vorjahr. Ein großer Teil davon fließe in Server, Racks und Halbleiter. Gerade Halbleiterunternehmen seien deshalb zentrale Profiteure. Der Auftragsbestand der Cloud-Anbieter AWS, Google Cloud und Microsoft, der in diesem Jahr kumuliert rund 1,5 Billionen Dollar erreichen werde, unterstreiche das strukturelle Nachfragewachstum. 

Bewertung bleibt hinter Gewinnwachstum zurück
"In den letzten Jahren habe ich nie gesehen, dass wir im Technologiesektor so ein dynamisches Gewinnwachstum haben", erklärte Rommel. "Wir erwarten im Jahr 2026 etwa 60 Prozent Gewinnwachstum für Technologieaktien." Die Aktienperformance halte mit dieser Entwicklung nicht mit, wodurch die Bewertungen im Technologiesektor günstiger werden. "Wir haben im Moment ein durchschnittliches KGV für Technologiewerte von etwa 20. Auch für unseren AI-Fonds ist das durchschnittliche KGV aktuell bei etwa 20. Das war nie so günstig", sagte Rommel, der den Fonds DWS Invest Artificial Intelligence managt. 

Allerdings zeigten sich die Aktienmärkte zunehmend zweigeteilt, führte Gärtner weiter aus: "Sie haben Unternehmen, die in den letzten Jahren eine prächtige Gewinnsteigerung gesehen haben, aber auf der anderen Seite Unternehmen, die auch erhebliche Gewinneinbußen hinnehmen mussten." Das gelte zwischen den Branchen, aber auch innerhalb des Technologiesektors. Aus dieser Diskrepanz ergäben sich Chancen für aktive Manager. 

"Goldene Wirtschaftszweige" 
Die kaum zu überschätzende Bedeutung von KI für Wirtschaft und Gesellschaft illustrierte Daniel Kröger, Portfoliomanager Global Equities: "KI ist gekommen, um zu bleiben. Das ist wie die industrielle Revolution und die Renaissance zusammen." KI könne nicht nur repetitive kognitive Aufgaben übernehmen, sondern zugleich die Produktivität vieler Branchen auf ein neues Niveau heben.

Kröger sieht nicht nur kurzfristige Effekte im Technologiesektor. KI werde zunehmend auch in klassischen Wirtschaftsbereichen wie Industrie oder Gesundheitswesen relevant. KI-Agenten könnten künftig komplette Unternehmensprozesse automatisieren und damit neue Produktivitätsgewinne schaffen. Mehrere "goldene Wirtschaftszweige" wie Robotik, Biotechnologie und autonome Systeme würden durch KI gefördert. 

Für Anleger könnte sich daraus der DWS zufolge eine zweite Investitionswelle ergeben: Während bislang vor allem Halbleiter- und Infrastrukturwerte profitierten, dürften künftig stärker jene Unternehmen in den Fokus rücken, die KI erfolgreich in Geschäftsmodelle und Anwendungen integrieren können. (dv)