An den Börsen steigen die Kurse, in der Bevölkerung steigen die Infektionszahlen. Die Märkte lassen sich offensichtlich nicht davon beeindrucken, dass die Ansteckungsfälle mit dem Covid-19-Virus wieder zunehmen. Das Phänomen hat die DWS schon zu Beginn der Pandemie beobachten können: "Mitte Februar – China hatte gerade die Zahl der gemeldeten Fälle um 14.800 nach oben revidiert – erreichten viele Aktienindizes neue Höchststände", schreiben die Analysten des Deutsche-Bank-Vermögensverwalters. Der Grund: "Für Märkte scheinen nicht die Zahl der Erkrankten, sondern die wirtschaftlichen Aussichten relevant zu sein."
 
Und dafür, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten wieder stabilisiert haben, sei weniger der medizinische Fortschritt verantwortlich, sondern vielmehr die massiven wirtschaftlichen Stimulus-Programme von Fiskal- und Geldpolitik, heißt es bei der DWS. "Das zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die Erkrankungszahlen in den USA. Bisher hat auch in Europa der aktuell zu beobachtende Anstieg an Neuinfektionen die Märkte nicht sehr beeindruckt", schreiben die DWS-Experten.

Unklare Aussichten
Bei weiteren Krankheitswellen könnte sich das aber rasch wieder ändern. Die aktuellen Entwicklungen zeigten zwar eine frappierende Ähnlichkeit zum Verlauf des SARS-Ausbruchs im Jahr 2003. Jedoch mit einem gravierenden Unterschied: "SARS ist seinerzeit aus bisher ungeklärten Gründen wieder gänzlich verschwunden. Bei der aktuellen Pandemie ist dagegen weltweit kein Ende in Sicht", so die Analysten. (fp)