Ein Großteil der Kapitalmärkte hat seit Oktober ein schauerliches Bild abgegeben: fallende  Aktienkurse, insbesondere bei den zyklischen Werten, steigende Risikoprämien bei Unternehmens- und einigen Staatsanleihen sowie sinkende Rohstoffpreise und Inflationserwartungen.

Gemeinsam ist diesen Marktbewegungen die Botschaft, die sie aussenden: Die Anleger gehen von einer deutlich höheren Rezessionsgefahr aus als zuvor. Dies steht allerdings im Gegensatz zu den Konjunkturprognosen, die zwar eine etwas langsamere, aber immer noch über den Potenzialwachstumsraten liegende Entwicklung voraussagen. Wer hat nun Recht?

Die Analysten der DWS werfen einen Blick auf den Conference Board US Leading Index, genauer gesagt auf seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Dieser Frühindikator bündelt eine Reihe anderer Indikatoren und weist eine gute Erfolgsbilanz bei der Vorhersage der US-Konjunktur auf. Der letzte Indexwert lag bei 5,9 Punkten, was zwar niedriger als die zuvor beobachteten Werte ist, aber immer noch ein stattliches Niveau darstellt.

Entwarnung?
Wie der folgende Chart zeigt, ist die US-Wirtschaft noch nie in eine Rezession geschlittert, wenn der Leading Index auf dem aktuellen Niveau stand. Gemäß den Erfahrungen der Vergangenheit hat es vom aktuellen Niveau aus im Durchschnitt noch drei Jahre gedauert, bis eine Rezession einsetzte.

Es sei natürlich nicht auszuschließen, dass bisherige Muster diesmal nicht greifen und nun etwas ganz anderes blüht. Angesichts voll ausgelasteter Kapazitäten in den USA wäre jetzt eigentlich der Zeitpunkt für Lohnsteigerungen gekommen. Dies würde die gut laufende Konjunktur nicht abwürgen, aber auf den Gewinnmargen der Unternehmen lasten.

Sollte dieser Fall eintreten, hätten sowohl die Märkte als auch die DWS- Ökonomen Recht behalten. (kb)