Der Brexit wird von Großbritannien seinen Tribut fordern – auch finanziell. Seit dem Referendum stagnieren die Investitionen im Land auf fast unverändertem Niveau, sagt Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer bei der Deutschen Asset Management (DWS). Weil die heutigen Investitionen dazu beitragen, die Arbeitsplätze, das Produktionspotenzial und das Arbeitseinkommen von morgen zu sichern, sei das für Großbritannien in den kommenden Jahren kein gutes Zeichen.

Inflationsbereinigt sind die britischen Investitionen seit dem Referendum mit einer Jahresrate von 5,4 Prozent geschrumpft, während sie davor mit sieben Prozent pro Jahr gestiegen sind. Im Gegensatz dazu haben die Wachstumsraten in anderen europäischen Ländern klar angezogen, im Falle Italiens nach der Krise sogar deutlich. "Großbritannien ist damit von der Spitze ans hintere Ende gefallen", sagt Kreuzkamp.

Großbritannien steckt im Investitionsloch

Quelle:  Bloomberg, DWS

Scheiden tut weh
Noch geht es der Wirtschaft gut. Laut Eurostat sind nur 3,8 Prozent der britischen Bevölkerung arbeitslos. In Europa schneiden nur Deutschland und die Niederlande besser ab. In Frankreich liegt die Zahl bei 8,8 Prozent und damit doppelt so hoch wie in Großbritannien, während Spanien und Italien zweistellige Raten verzeichnen.

Die Berichte über den wirtschaftlichen Tod des Vereinigten Königreichs hält Kreuzkamp daher für  reichlich übertrieben. Langfristig dürfte der Austritt aus der EU für das Land aber schmerzhaft sein. (fp)