Negative Ölpreise, wie Anleger sie im vergangenen Monat kurzzeitig erlebt haben, werden kein regelmäßiges Phänomen. Davon ist Darwei Kung, Leiter der Rohstoffsparte bei der DWS, überzeugt. Die jüngste Entwicklung scheint ihm Recht zu geben. Momentan befindet sich der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI nahe einem Fünf-Wochen-Hoch. Zwei Faktoren dürften ihn nach Kungs Einschätzung weiter in die Höhe treiben: Erstens haben mehrere wichtige Förderländer beschlossen, ihre Ölproduktion zu drosseln. Zweitens dürfte die Nachfrage nach dem "schwarzen Gold" wieder anziehen, je mehr Länder den Weg aus dem Corona-Lockdown finden.

Auch nach der Preiswende wird Öl vorerst keine neuen Höhen erreichen, schätzt der DWS-Experte. "Hohe Lagerbestände dürften die Preise tief halten", sagt er. Das Angebot wird die Nachfrage wohl bis auf Weiteres deutlich übersteigen. Die Förderkürzungen der Opec-Staaten, Russlands und Norwegens dürften sich aber zumindest ein bisschen bemerkbar machen, sagt Kung. "Wir erwarten einen WTI-Preis von 37 US-Dollar je Barrel für März 2021", erklärt er. Momentan liegt der Preis bei rund 32 US-Dollar je Fass.

Händler werden zu Tanker-Mietern
Der Überfluss an Öl bringt einige unerwartete Gewinner hervor. "Die Umsätze der Tanker-Industrie florieren", sagt Kung. Ölproduzenten und Händler suchten mit wachsender Verzweiflung nach Möglichkeiten, Öl zu lagern, das sie momentan nicht verkauft bekommen. Analysten zufolge würden bereits zehn bis 15 Prozent der größten Tanker der Welt als Öl-Lagerstätten genutzt – Tendenz steigend. Auch andere Anbieter von Lagerkapazitäten für Öl verdienen sich derzeit eine goldene Nase.

Während Öl mittelfristig unter Druck bleibt, wird der Goldpreis voraussichtlich weiter steigen, prognostiziert Kung. Die Unsicherheit an den Märkten dürfte viele Anleger dazu bewegen, sich das Krisenmetall ins Depot zu legen. Bis März kommenden Jahres wird der Preis je Feinunze auf 1.800 US-Dollar zulegen, schätzt der Rohstoffspezialist. Momentan liegt der Goldpreis mit knapp 1.750 US-Dollar je Feinunze nur wenig hinter dieser Prognose. (fp)