Eines ist klar: Wer eine risikoarme und wenig turbulente Anlagemöglichkeit für sein Vermögen sucht, ist beim Bitcoin an der falschen Adresse. Der Kurs der Kryptowährung hatte sich nach einem Rekordhoch von knapp 65.000 US-Dollar im April halbiert und ist zuletzt erstmals seit Januar kurzzeitig unter die Marke von 30.000 US-Dollar gerutscht. Aus allen Richtungen wurden kritische Stimmen laut, die die Schattenseiten des digitalen Geldes hervorheben. 

Und doch ist die Lage aus Sicht des DZ-Bank-Analysten Sören Hettler weniger dramatisch, als von vielen Seiten vermittelt wird: "Zum einen hat sich der Kurs schon wieder etwas erholt, so dass seit Ende Mai eine volatile Seitwärtsbewegung attestiert werden kann", sagt der Experte in einer aktuellen Analyse. Zum anderen stünde verglichen mit dem Kurs vor einem Jahr immer noch ein sattes Kursplus von 250 Prozent zu Buche. "Zumindest für langfristige Bitcoin-Investoren hat sich das Engagement also weiterhin eindeutig gelohnt", sagt Hettler. Im Juni 2020 notierte der Bitcoin bei einem monatlichen Schlusskurs um die Marke von rund 9000 US-Dollar. 

Regulierung bahnt sich an
Nichtsdestotrotz lassen sich die kritischen Stimmen nicht ausblenden. Neben der starken Volatilität der Währung wird der hohe Energieverbrauch, der für das sogenannte Bitcoin-Mining benötigt wird, angeprangert. Auch die Pläne der Notenbanken können den Bitcoin-Kurs zum Wanken bringen. "Druck erfahren Anhänger der Kryptowährung derzeit vor allem aus den USA", sagt Hettler. Die Bereitschaft der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), früher als bislang geplant eine Leitzinserhöhung ins Auge zu fassen, wertet der Experte als Signal dafür, dass "bei traditionellen Währungen irgendwann wieder nennenswerte Renditen zu erzielen sind." 

In der Geldpolitik der Notenbanken sei das Risiko einer Geldentwertung durch die Inflation angekommen und sollte früher oder später eine größere Rolle bei deren Entscheidungen spielen. "In der Konsequenz verliert ein zentrales Argument der Bitcoin-Befürworter, wonach Euro, Dollar und Co. im Gegensatz zu Bitcoin keinen Schutz vor Inflation bieten würden, tendenziell an Attraktivität", sagt Hettler. Ein weiterer Rückschlag für die Kryptowährungen: Regierungen und Notenbanken auf der ganzen Welt bemühen sich, den Handel mit Kryptowährungen stärker zu regulieren und teilweise einzudämmen. (fp)