Künstliche Intelligenz (KI) werde auch im kommenden Jahr für steigende Notierungen an den weltweiten Aktienmärkten sorgen, sagte Sören Hettler, leitender Anlagestratege bei der DZ Bank, am Donnerstag (13.11.) anlässlich der Präsentation des Jahresausblicks 2026 in Frankfurt. 

Alleine die vier US-Unternehmen Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta werden 2026 ihre Investitionsausgaben auf über 400 Milliarden US-Dollar erhöhen, wie Hettler erläuterte. Eine Blasenbildung bei KI sehe er nicht, denn der überwiegende Teil dieser Investitionen entfalle auf den Aufbau physischer Infrastruktur wie Rechenzentren. Zudem würden sie zum großen Teil mit Eigenmitteln finanziert, was ein wichtiger Unterschied zu früheren Blasenbildungen sei. 

Die DZ Bank reiht sich damit in den Kreis der KI-Optimisten ein und widerspricht dem wachsenden Lager von Marktteilnehmern, die vor einer KI-Blase warnen. So hatte die Bank of America im Oktober in einer Umfrage unter Fondsmanagern ermittelt, dass 54 Prozent der Befragten eine Blase bei KI-Aktien sehen und nur 38 Prozent eine solche Blase verneinen. 

Geld- und Fiskalpolitik unterstützen 
Ein weiterer zentraler Grund für die guten Aussichten sei die Geld- und Fiskalpolitik in den USA und Europa. "Fed und EZB treffen sich 2026 im neutralen Zinsbereich. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen werden damit planbarer", so Hettler. Für den S&P 500 prognostiziert er bis zum Ende des kommenden Jahres einen Anstieg auf 8.000 und für den Dax auf 27.500 Punkte. 

In Europa seien die Verteidigungsausgaben der wichtigste Wachstumstreiber. Davon profitierten "Unternehmen, die Kompetenzen in der militärischen Fahrzeug- und Systemtechnik, Luftfahrt und Verteidigungs-IT haben", so Hettler. Den deutschen Indizes helfe darüber hinaus das Infrastrukturpaket der Bundesregierung. 

Staatsanleihen verlieren an Attraktivität, Unternehmensanleihen lohnen mehr 
Sichere Benchmark-Staatsanleihen wie US-Treasuries und Bundeswertpapiere dürften 2026 bei den Investoren an Attraktivität verlieren, sagte Christoph Kutt, Leiter Fixed Income Research. Für zehnjährige amerikanische Bonds erwartet er Ende 2026 eine Rendite von 4,4 Prozent, für zehnjährige Bundesanleihen von drei Prozent. Als Grund dafür nennt er höhere Risikoaufschläge wegen der steigenden Staatsverschuldung. Nach Kutts Einschätzung lohnen sich für Investoren im kommenden Jahr Unternehmens- und Bankanleihen im Investment-Grade-Segment umso mehr. 

Während die DZ Bank weltweit ein Wachstum von drei Prozent erwartet, werde die US-Wirtschaft um 2,3 Prozent wachsen. "Die Trump-Economy ist bisher überraschend erfolgreich", sagte Jan Holthusen, der den Bereich Research und Volkswirtschaft leitet. Für Deutschland sehen die Experten ein Wachstum von einem Prozent. Die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur seien sinnvoll, jedoch müsse die Regierung aufpassen, dass es nicht bei einem "Strohfeuer" bleibe. "Vom Herbst der Reformen ist noch nicht viel zu sehen", so Holthusen. (dv)