Die Inflationsrate in Deutschland ist im September auf 4,1 Prozent geklettert – der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Im Jahresmittel dürfte sie drei Prozent betragen. Das zeigt der Konjunkturausblick der DZ Bank.

Und so wie die Verbraucherpreise nach oben klettern, rauschen die Realzinsen, also die Zinsen nach Berücksichtigung der Inflation, in den Keller. Lag die Durchschnittsverzinsung von Vermögenswerten wie Einlagen, Rentenpapieren oder Versicherungen Anfang 2020 noch bei zwei Prozent, erreicht sie dieses Jahr nur noch 0,6 Prozent. Für die ohnehin gebeutelten Sparer bedeutet das ein neues Rekordtief von real minus 2,3 Prozent. Dadurch entfällt der Zinseszinseffekt, und Sparer müssten eigentlich mehr auf die Seite legen, um ihre hochgesteckten Vermögensbildungziele zu erreichen. 

Und das tun einige auch: Selbst eher risikoscheue Bürger haben damit angefangen, sich vermehrt nach Anlagealternativen umzusehen. Im ersten Halbjahr 2021 investierten sie 59,4 Milliarden Euro in Aktien und Anleihen und damit das 2,3-Fache der Jahre zuvor. Allerdings haben diese Zuwächse bisher nicht ausgereicht, um dem wachsenden Geldanlagestau und vor allem dem schleichenden, minuszinsbedingten Vermögensverlust entgegenzuwirken: Denn auch Sichteinlagen und Bargeld erreichten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit deutlich über hundert Milliarden Euro neue Höchststände. Damit ist der Anteil nicht investierter Mittel am gesamten privaten Geldvermögen trotz Negativzinsen weiter gestiegen.

Die Folge: 2021 erleiden die privaten Haushalte in Deutschland auf ihr verzinsliches Geldvermögen in Höhe von 5,1 Billionen Euro einen Wertverlust von über 116 Milliarden Euro. Das sind umgerechnet immerhin rund 1.400 Euro pro Kopf. (fp/ps)