An den Aktienmärkten dürfte es in der kommenden Zeit noch einmal kräftig nach unten gehen, befürchtet Christian Kahler, Chefanlagestratege der genossenschaftlichen DZ Bank. "Der weitere Kursverlauf und die Bandbreite der Preisschwankungen werden stark vom Verlauf der Corona-Epidemie abhängen", sagt er. Mögliche Anlässe für weitere Markteinbrüche sieht er indes viele: Massenentlassungen, Insolvenzen, Liquiditätsengpässe, Investitionskürzungen, hohe Kreditausfälle, Dividendenausfälle, Verwerfungen bei Fonds.

Die Gewinne der Dax-Konzern könnten im laufenden Jahr gegenüber 2019 um 50 bis 80 Prozent einbrechen, mutmaßt Kahler. In früheren Rezessionen fielen sie im Schnitt nur um 35 Prozent. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der deutsche Leitindex seinen alten Gipfel nach einer vergleichbaren Krise erst binnen vier Jahren wieder erreicht hatte. Die Unternehmensgewinne erholten sich etwas rascher. "Wendet man diese Erkenntnisse auf den Ausblick an, könnten die Dax-Unternehmen 2022 oder 2023 wieder so viel verdienen wie im Rekordjahr 2018", sagt Kahler. "Der Index selbst würde erst im Jahr 2024 seinen alten Höchststand von 13.800 Punkten erreichen."

Chance auf satte Langfrist-Gewinne
Die Erholung wird nicht in einer geraden Linie verlaufen, sondern von Schwankungen geprägt sein, warnt der Analyst. Wer damit zurechtkommt, kann jetzt allerdings auf Schnäppchenjagd gehen: "Wer während der kommenden Quartale Aktien kauft, sollte langfristig sehr gute Anlageergebnisse einfahren", sagt Kahler. "Mittelfristig wird sich in der Wirtschaft und an den Märkten wieder eine grundsätzliche Ordnung einstellen. Dann werden Aktien deutlich optimistischer bewertet." (fp)