Am 18. Juni treffen sich die EWU-Finanzminister zu ihrem letzten regulären Treffen, bevor am 30. Juni das Hilfsabkommen für Griechenland ausläuft und rund 1,5 Milliarden Euro zur Zahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) anstehen. Die Erwartungen an das Treffen der EWU-Finanzminister könnten jedoch überhöht sein, heißt es von der genossenschaftlichen DZ Bank. Vieles spreche dafür, dass das Duell längst nur noch auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs sowie der involvierten Institutionen zu Ende gefochten werde. Wenn kein Sondergipfel anberaumt werde, könnte der Showdown in der Griechenlandkrise auf dem EU-Gipfel am 25. und 26. Juni über die Bühne gehen.

Gelingt auch bis zu diesem Zeitpunkt keine Einigung, sei der Zahlungsausfall praktisch nicht mehr abwendbar. Es läge dann an der Europäischen Zentralbank (EZB) zu entscheiden, ob die Nothilfen fortgesetzt werden. Griechenland wäre auf einen Grexit nicht vorbereitet, sodass sich dieser als riskantes Experiment entpuppen könnte, urteilen die Analysten der DZ Bank. Aus Sorge vor einer Versorgungsknappheit, die sich im Hinblick auf einen Mangel an Devisen einstellen könnte, wären Lebensmittel-Panikkäufe wahrscheinlich. Selbst die öffentliche Ordnung könnte in Gefahr geraten, wohingegen die griechische Verwaltung mit der Devisenbewirtschaftung überfordert sein könnte. Bis eine eigene Währung in Bargeld vorliege, dürften Wochen oder gar Monate vergehen.

Selbstverständnis aufrecht erhalten
Würde die soziale und politische Lage in Griechenland eskalieren, würden die anderen EU-Staaten kaum tatenlos zuschauen. Wirtschaftliche Hilfsleistungen wären nötig und die Frage könnte laut werden, ob die Verantwortung für das Scheitern der Gespräche nicht in Teilen auch bei den Kreditgebern läge. Das Argument, Griechenland habe zu keinem Zeitpunkt die wirtschaftlichen Anforderungen einer EWU-Mitgliedschaft erfüllt, dürfte dann schnell in den Hintergrund treten. Dass die EWU-Staaten einem Grexit und den Folgen ohne massive Intervention zuschauen würden, sei im Hinblick auf das Selbstverständnis der Gemeinschaft kaum vorstellbar. Vieles spreche deswegen dafür, dass es die Kreditgeber nicht zum Äußersten kommen lassen und einen sich abzeichnenden Grexit noch stoppen würden. (fp)