An den Edelmetallmärkten tun sich seltsame Dinge. So sprang der Silberpreis Anfang des Jahres unvermittelt um 20 Prozent in die Höhe, Gold hingegen entwickelt sich wider Erwarten schwach. Max Holzer, Multi-Asset-Spezialist beim genossenschaftlichen Fondsanbieter Union Investment, hat sich angeschaut, welche Faktoren derzeit die Preise bewegen, wie es weitergehen könnte bei Gold, Silber und Platin – und welche vermeintlichen Gewissheiten über Edelmetalle so nicht stimmen.

Der Silbermarkt steht im Ruf, leicht manipulierbar zu sein. Der Preissprung Ende Januar scheint dieses Vorurteil zu bestätigen: Offenbar steckten Kleinanleger dahinter, die mit konzertierten Silberkäufen Anlageprofis dazu zwingen wollten, Short-Positionen aufzulösen, ähnlich wie kurz zuvor bei der Gamestop-Aktie. Der Vergleich hinkt allerdings, sagt Holzer. Erstens liege die Leerverkaufsquote bei Silber deutlich niedriger als bei der Aktie des US-Spielehändlers. Zweitens sei der Silbermarkt mit einem Volumen von rund einer Billion US-Dollar schlicht zu groß, um so einfach manipuliert zu werden.

Anleger, die Silber kaufen wollen, sollten den Mythos vergessen und sich an die Fakten halten. Das kann sich in den kommenden Monaten lohnen: Barren und Münzen aus Silber sind momentan knapp, zudem dürfte die Nachfrage aus der Industrie anziehen. Diese Entwicklung gibt dem Preis voraussichtlich Auftrieb, sagt Holzer. Steigen die Nominalzinsen nach Abzug der Inflation, würde das dagegen den Silberpreis belasten.

Bekommt Gold jetzt ernsthafte Konkurrenz?
Gold gilt als Schutz vor steigender Inflation. Obwohl die Teuerungsrate zuletzt angezogen hat, legt der Aufwärtstrend des Goldpreises aber eine Pause ein. "Als Krisenwährung ist Gold derzeit wenig gefragt", bestätigt der Union-Investment-Experte. Dennoch könnte das Edelmetall mittelfristig von höheren Inflationserwartungen profitieren, glaubt er. Jedenfalls, solange die Notenbanken die Füße stillhalten und die Zinsen unverändert tief lassen, denn steigende Realzinsen würden Gold gegenüber Anleihen unattraktiv machen.

Auf lange Sicht könnte Gold als "sicherer Hafen" Konkurrenz durch Kryptowährungen wie Bitcoin bekommen, prognostiziert Holzer. Das könne zu taktischen Verschiebungen zwischen Gold- und Bitcoin-Investments führen. Die wären zunächst aber nicht unbedingt zum Nachteil des gelben Metalls: "Zuletzt waren die Zuflüsse in Bitcoin deutlich höher als in Gold. Nach der rasanten Bitcoin-Rally könnten Bestände aus der Kryptowährung wieder zurück in Gold umgeschichtet werden. Das dürfte den Goldpreis mittelfristig unterstützen", so Holzer.

Dieses Metall verspricht das größte Preis-Plus
Sowohl der Silber- als auch der Goldpreis dürften also anziehen. Am spannendsten findet der Anlageprofi aber ein drittes Metall: Platin. "Es ist unser Favorit unter den Edelmetallen", sagt er. Platin profitiert vom Trend zu mehr Nachhaltigkeit, es kommt vermehrt in Auto-Katalysatoren und Brennstoffzellen zum Einsatz. Zugleich ist das Angebot auf dem Markt wegen der Pandemie knapp. "Insgesamt wird aktuell weniger Platin produziert als gekauft. Das macht weitere Preissteigerungen wahrscheinlich", sagt Holzer.

Die Prognose des Union-Investment-Profis: Platin dürfte mittelfristig wertvoller werden als Gold. "Dazu tragen Investitionsprogramme zum grünen Umbau der Wirtschaft sowie die weiterhin solide Investmentnachfrage bei." (fp)