Der sehr langfristig orientierte First Eagle Amundi International Fund wird für schwierigere Phasen gerüstet. Gold als sicherer Hafen wurde gegenüber dem historischen Durchschnitt von acht bis zehn Prozent auf 13 Prozent ausgebaut und steigt tendenziell. Das sagt Jan Vormoor, Senior Investment Specialist und Senior Vice President des US-Anbieters First Eagle Investment Management, der das Portfolio für den Partner Amundi verantwortet. Die Strategie wird seit rund 40 Jahren in den USA gemanagt, den Luxemburger SICAV gibt es seit 1996.

Verschuldung, Strukturwandel, Populismus: Krise innerhalb von zehn Jahren?
"Egal, wie wir die Welt betrachten: Wir sind besorgt", so Vormoor, der vor allem auf die weltweite Rekordverschuldung der Staaten gepaart mit dem strukturellen Wandel durch die Roboterisierung blickt. "Die Erholung der Wirtschaft ist zwar gut, aber es war kein außergewöhnlicher Aufschwung, und er hat auch nicht geholfen, die Schulden zu senken", sagt Vormoor im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Dazu komme, dass mit der Digitalisierung die Ängste der Menschen vor einem Verlust der Lebensqualität zulegen – und damit auch der weltweite Populismus. "Die traditionellen Parteien haben die Ängste bisher nicht adäquat adressieren können. Für den Strukturwandel braucht es generationelle Lösungen. Geduld ist aber momentan nicht das weitverbreitetste Gut. Das führt zu sozialen, geopolitischen Spannungen. Disruptionen haben immer zu Konflikten geführt, zu viele Schulden immer zu Krisen", so Vormoor. Es bestehe die Sorge, dass in den kommenden zehn Jahren ein disruptives Event auftauchen könnte, für das man vorbereitet sein sollte, so Vormoor.

Hoch sind auch die Kassabestände, die traditionell ebenfalls zwischen acht und zehn Prozent liegen: Sie sind in den vergangenen fünf bis sechs Jahren auf durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Hintergrund für den enorm hohen Wert ist der Entschluss, auch in Zeiten der Überbewertungen nicht vom strikten Value-Ansatz und der Minimalforderung von 30 Prozent Sicherheitsmarge abzurücken, die ein Unternehmen beim Kauf bieten muss. "Nach zehn Jahren lockerer Geld- und Nullzinspolitik sind die Bewertungen am Markt überall hoch. Wenn wir Assets, die uns zu teuer werden, verkaufen und es gibt keine Kaufmöglichkeiten, geht automatisch die Kasse hoch. Wir haben uns dagegen entschieden, von unseren Bewertungskriterien abzurücken", sagt Vormoor. Immerhin sei 2018 schlussendlich noch ein gutes Jahr geworden um einzukaufen. Der Cashbestand von rund 23 Prozent zu Jahresbeginn konnte auf elf Prozent zu Weihnachten reduziert werden. Er steigt seitdem aber wieder an.

Hinterherhinken muss langfristig kein Nachteil sein
Dass das kaum verzinste Cash in einem Fonds heute im Vergleich zu früher eine teure Angelegenheit ist und auf die Performance drückt, nimmt Vormoor mit Blick auf die Geschichte gelassen. "Unsere Strategie hat immer wieder dazu geführt, dass wir dem Markt hinterher hängen. Das ist nichts Neues für uns. Aber der Grund, warum wir diesen guten Trackrecord über die 40 Jahre aufbauen konnten, liegt genau darin, dass wir nicht versuchen, den Markt jedes Jahr zu schlagen", so Vormoor. Nach Mountainview-Fondsdaten weist der First Eagle International seit seiner Auflage 1996 ein Performanceplus von 577 Prozent auf (US-Dollar-Tranchen).

In den 1980er Jahren, als japanische Aktien 50 Prozent des MSCI World ausmachten, habe der Fonds kein Exposure in Japan gehabt. "Da sahen wir auch fünf, sechs Jahre ziemlich dumm aus. Bis dann die Blase platzte. Der japanische Markt ist heute noch immer unter den Werten von vor 30 Jahren", so Vormoor. Das gleiche sei in den 1990ern passiert, wo sich keine Internetwerte im Portfolio befanden und 2007/2008, wo Banken, damals gute Performer, im Fonds ebenso fehlten.

"Wir kommen aus dem Family Office"
"Wir sehen uns nicht als klassische Asset Manager. Wir kommen aus dem Family Office. Unser erstes Ziel ist es, den Wohlstand der Familie über Generationen hinweg zu schützen", so Vormoor. Der US-Anbieter First Eagle Asset Management geht auf die Dresdner Privatbank Arnhold zurück, die in den 1930ern Opfer der sogenannten Arisierungen wurde. Familienmitglieder verlagerten das Geschäft nach New York. First Eagle Investment Management verwaltet heute rund 100 Milliarden Dollar an Assets. Die Gründerfamilie, Mitarbeiter, so wie Freundes- und Familienkreis sind laut Vormoor mit ungefähr vier Milliarden Dollar selbst investiert.

Man schaue nicht auf die jährliche Performance, sondern kaufe so ein, dass das Risiko permanenten Kapitalverlustes reduziert wird. "Wir vergeuden keine Zeit mit Markettiming oder damit, die Zukunft vorherzusagen. Wir versuchen, die Assets zu verstehen, zu analysieren und zu bewerten. Dann sind wir geduldig und warten so lange, bis uns der Markt die Möglichkeit gibt, ein Unternehmen mit dem gewünschten Abschlag zu kaufen. 30 Prozent sind unser Minimalanspruch, wir können aber auch 50 oder 70 Prozent verlangen", so Vormoor.

Danach bleiben die Unternehmen in der Regel langfristig im Portfolio – im Schnitt zehn Jahre.  Zehn Positionen im Fonds sind bereits seit Auflage des SICAV 1996 im Fonds, etwa der japanische Radausrüster Shimano. Bei interessanten, aber sehr jungen Firmen muss das Management mangels Bewertbarkeit oft warten, bis es zuschlagen kann – was mitunter bedeutet, dass man die erste Boomphase nicht mitmacht. Facebook etwa war lange Zeit schwer zu bewerten, dann zu teuer, im Vorjahr aber landete die Aktie nach einem Rücksetzer von 50 Prozent im Portfolio. (eml)