"Die Fed ist so spät dran, dass sie zwei Herausforderungen zu bewältigen hat: den Inflationsgeist wieder in die Flasche zu kriegen und bei Wirtschaftswachstum und Ungleichheit nicht zu viel Schaden anzurichten", sagte Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz und früherer Pimco-Chef, in der Sendung "Surveillance" von Bloomberg Television.

Jerome Powell und Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) befinden sich diese Woche in Jackson Hole, Wyoming. Dort wird der Fed-Chef am heutigen Freitag (26.8) zu den Teilnehmern sprechen. Es wird erwartet, dass er im Großen und Ganzen seine Entschlossenheit bekräftigen wird, die Inflation zu bekämpfen, die nahe einem 40-Jahres-Hoch liegt. "Es wird einige Zeit dauern, weil die Fed am Steuer geschlafen hat", sagte El-Erian auf die Frage, wann die Teuerung wieder das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank erreichen wird. "Die Fed muss sich auf die Inflation konzentrieren – und sie muss dies engagierter tun als bisher", erklärte er.

Aggressive Zinserhöhungen
Zur Eindämmung der Inflation hat die Fed die Zinsen in diesem Jahr aggressiv erhöht, einschließlich zweimaliger Anhebungen um jeweils 75 Basispunkte bei den letzten beiden Sitzungen. Die Verantwortlichen der Fed haben argumentiert, dass der Arbeitsmarkt gesund genug sei, um den Straffungsmaßnahmen standzuhalten. Sie haben angedeutet, dass sie die Zinsen in diesem Jahr weiter heraufsetzen werden.

El-Erian meint, die Fed habe bei der Kommunikation und Analyse "versagt". Während die Inflation bereits in die Höhe geschossen sei, hätten die Notenbanker weiterhin behauptet, dass sie meist vorübergehend sei. "Ich weiß, was sie tun sollten – nämlich nicht zu kneifen", sagte er. Seiner Meinung nach ist der geldpolitische Rahmen der Fed – der auf dem Symposium im Jahr 2020 vorgestellt wurde – nicht zweckmäßig. "Wir haben einen geldpolitischen Rahmen, der für eine Welt mit mangelnder Gesamtnachfrage geeignet ist – und wir befinden uns in einer Welt mit mangelndem Gesamtangebot", so der Ex-Pimco-Chef. "Wenn man all dies zusammennimmt, ist die Herausforderung sehr groß." (mb/Bloomberg)