An der Wall Street herrscht dieser Tage ein Ausnahmezustand. Der Grund: Junge Anleger hatten sich über die Social-Media-Plattform Reddit organisiert und gemeinsam den Kurs von Gamestop, einer US-amerikanischen Handelskette für Videospiele, in die Höhe getrieben. Das übergeordnete Ziel der Anleger war es dabei, etablierte Hedgefonds anzugreifen, indem sie ihnen absichtlich hohe Verluste zufügen und selbst die Gewinne einstreichen. Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz, empfindet die Entwicklungen als alarmierend. "Wenn einem Finanzstabilität wichtig ist, dann muss man sich das Thema ganz genau anschauen", sagt El-Erian gegenüber dem "Handelsblatt". 

Eine mögliche Ursache für das Geschehen ist nach Ansicht des Chefberaters eine grundlegende Machtverschiebung, die Privatanlegern einen deutlich größeren Einfluss auf die Märkte an die Hand gibt als je zuvor. "Es ist ein Phänomen, bei dem der Schwanz mit dem Hund wedelt, und das eine dauerhafte Wirkung auf die Marktstruktur hat", sagt El-Erian.

Damit sei nicht zu spaßen, warnt auch die Finanzaufsicht Bafin: "Absprachen können einen strafbaren Marktmissbrauch darstellen." Der Kurskrieg um Gamestop könnte auch ein Indiz für eine gefährliche Blase an den Märkten sein, befeuert durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Auf diese Gefahr hatte El-Erian in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen.

Prominenz bleibt entspannt
Andere Marktbeobachter reagieren weniger besorgt und tun das Ganze als "kurzfristiges Phänomen ab, das institutionelle Anleger überrascht hat", berichtet das "Handelsblatt". So sagt beispielsweise UBS-Manager Jason Katz, den über Reddit organisierten Privatanlegern fehle es am nötigen Kleingeld, um große Verluste auszuhalten. Prominente wie Tesla-Gründer Elon Musk und der Sohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Trump Junior, befürworten derweil das Verhalten der Privatanleger. (fp)