Die Aussicht auf eine Deeskalation zwischen den USA und dem Iran könnte den Schwellenländern Rückenwind verleihen, schreibt Paulo Salazar, Head of Emerging Markets bei Candriam, in einem aktuellen Marktkommentar. "Geringere geopolitische Risiken, niedrigere Ölpreise, nachlassender Inflationsdruck und ein schwächerer US-Dollar schaffen ein konstruktives Umfeld für die Schwellenländer", so Salazar. 

Ölpreis und Dollar
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Ölpreise. Ein nachhaltiger Rückgang der Energiepreise könnte die Inflation in vielen Schwellenländern dämpfen und den Zentralbanken zusätzlichen Spielraum für Zinssenkungen verschaffen. Niedrigere Finanzierungskosten würden wiederum die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern und die Kapitalmärkte unterstützen.

Zusätzliche Unterstützung erwartet Candriam von einem schwächeren US-Dollar. Historisch hätten Phasen eines nachgebenden Greenback häufig mit einer stärkeren Entwicklung von Schwellenländer-Aktien und Lokalwährungen korrespondiert. Hintergrund seien verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine breitere Verteilung internationaler Kapitalströme.

Positiver Terms-of-Trade-Schock 
Besonders profitieren könnten nach Einschätzung des Asset Managers jene Länder, die Nettoimporteure von Öl sind. "Niedrigere Energiepreise wirken für Nettoölimporteure wie ein positiver Terms-of-Trade-Schock", schreibt Salazar. Sie stärkten den Konsum, verbesserten die Leistungsbilanzen und unterstützten die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Zu den potenziellen Gewinnern zählt er Teile Asiens sowie Südafrika. Auch in Lateinamerika könnten sinkende Inflationsraten und günstigere globale Finanzierungsbedingungen unterstützend wirken – insbesondere dort, wo die Zentralbanken noch Spielraum für weitere Zinssenkungen haben.

Neben regionalen Verschiebungen erwartet Candriam auch eine Rotation innerhalb von Schwellenländer-Aktien. Der Energiesektor, der während der jüngsten geopolitischen Spannungen zu den Gewinnern zählte, könnte einen Teil seiner relativen Stärke wieder einbüßen. Gleichzeitig sieht Salazar Chancen für den Rohstoffsektor, der von verbesserten Wachstumsaussichten und einer Normalisierung der Rohstoffmärkte profitieren könnte.

Edelmetalle mit Nachholpotenzial 
Aufmerksam verfolgt der Emerging-Markets-Spezialist zudem die Entwicklung bei Edelmetallen. Diese seien trotz der geopolitischen Unsicherheit zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Sollte sich der Fokus der Anleger künftig stärker auf sinkende Zinsen, einen schwächeren US-Dollar und bessere Liquiditätsbedingungen richten, könnten Edelmetalle Nachholpotenzial besitzen.

Insgesamt sieht Candriam in der Kombination aus niedrigeren Ölpreisen, rückläufiger Inflation, lockereren geldpolitischen Rahmenbedingungen und einem schwächeren US-Dollar eines der konstruktivsten makroökonomischen Umfelder für Schwellenländer in den vergangenen Quartalen. Für Anleger könnte dies nicht nur Rückenwind für die Anlageklasse insgesamt bedeuten, sondern auch neue Chancen für eine gezieltere Positionierung innerhalb der Emerging Markets eröffnen. (dv)