Ende der Banken-Dominanz? Was das neue US-Krypto-Gesetz bedeutet
Der US-Kongress verabschiedet ein historisches Gesetz zur Regulierung von Stablecoins – der Kryptosektor feiert, die Bankenbranche wittert Gefahr. Führende Banker fordern eigene digitale Alternativen, während der Gesetzgeber Fakten schafft.
Die USA haben erstmals ein Gesetz zur Regulierung sogenannter Stablecoins verabschiedet. Mit großer Mehrheit stimmte das Repräsentantenhaus für den Entwurf – ein zentraler Baustein in der von US-Präsident Donald Trump angestoßenen "Crypto Week". Das Gesetz unterstellt Stablecoins, die an den US-Dollar gekoppelt sind, künftig einer klaren Aufsicht auf Bundes- oder Bundesstaatsebene.
Befürworter versprechen sich von der Maßnahme schnellere, günstigere Transaktionen und eine neue Ära des digitalen Zahlungsverkehrs. Der Markt reagierte prompt: XRP legte um rund neun Prozent zu, Ethereum zog ebenfalls an. Stablecoins, derzeit mit rund 265 Milliarden US-Dollar im Umlauf, gelten als Brückentechnologie für den Mainstream-Einsatz von Kryptowährungen. Analysten der Citigroup sehen bis 2030 ein Wachstum auf 3,7 Billionen Dollar.
Trump macht Druck – Demokraten warnen
Trump selbst hatte bei republikanischen Abgeordneten für das Gesetz geworben. Mit 308 zu 122 Stimmen fand es breite Zustimmung – parteiübergreifend. Weitere Vorhaben zur Marktstruktur des Kryptosektors wurden ebenfalls debattiert.
Doch es gibt auch Kritik. Prominente Demokraten wie Elizabeth Warren und Maxine Waters sehen Gefahren für den Verbraucherschutz und befürchten im Krisenfall politischen Druck zur Rettung gescheiterter Stablecoin-Emittenten.
Banken unter Zugzwang: Stablecoins als Bedrohung
Parallel zur politischen Debatte äußerten sich die CEOs der führenden US-Banken überraschend offen zur Bedrohung durch Stablecoins. Jamie Dimon (JP Morgan), Brian Moynihan (Bank of America) und Jane Fraser (Citigroup) warnten in ihren Bilanz-PKs vor dem wachsenden Einfluss digitaler Dollar-Token auf den etablierten Zahlungsverkehr.
"Sie versuchen, in Zahlungssysteme und Prämienprogramme einzusteigen", sagte Dimon mit Blick auf Fintechs. Moynihan ergänzte: "Wir müssen handeln – entweder mit eigenen Produkten oder durch Partnerschaften."
Eigene Token als Gegenstrategie
JP Morgan und Citigroup setzen inzwischen auf sogenannte Einlagentoken, die innerhalb bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen ähnlich wie Stablecoins funktionieren sollen. "Digitale Vermögenswerte sind die nächste Evolutionsstufe in der umfassenden Digitalisierung von Zahlungen", so Fraser.
Ziel sei es, grenzüberschreitende, bankenübergreifende und jederzeit verfügbare Lösungen bereitzustellen – sicher, effizient und integriert.
Circle & Co. greifen an – wie reagiert die Bankenbranche?
Gleichzeitig expandieren Stablecoin-Anbieter: Für Guthaben in der Digitalwährung USD Coin (USDC) bietet Circle über die Handelsplattform Coinbase derzeit 4,1 Prozent Zinsen – und baut an einem grenzüberschreitenden Zahlungsnetzwerk.
Die Bankenbranche hat bereits Erfahrung mit der Abwehr neuer Wettbewerber. Als Paypals Venmo 2013 an Bedeutung gewann, gründeten große US-Banken den konkurrierenden Peer-to-Peer-Dienst Zelle über die Plattform Early Warning Services. Im Jahr 2024 wurden über Zelle Transaktionen im Volumen von mehr als einer Billion Dollar abgewickelt.
Die Spielregeln ändern sich
Mit dem Stablecoin-Gesetz rückt die Kryptoindustrie ins Zentrum der US-Finanzpolitik. Die Reaktion der Märkte zeigt: Die neue Regulierung wird als Legitimation und Marktreife verstanden. Banken geraten unter Zugzwang – und müssen sich entscheiden, ob sie mitspielen oder verteidigen wollen. (mb/Bloomberg)













