Die Bombe platzte am 18. Juni: Der Zahlungsdienstleister Wirecard musste Ungereimtheiten in seinen Büchern eingestehen. Kurz darauf räumte das Unternehmen ein, dass Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen". Die Aktie des Dax-Konzerns stürzte lotrecht ab, Vorstandschef Markus Braun wurde seiner Funktionen enthoben und musste sich wenig später den Strafbehörden stellen. Am Donnerstag (25.06.) meldete das Unternehmen schließlich Insolvenz an. Kommentatoren sprechen bereits von einem "deutschen Enron".

Ob die Wirecard-Chefetage Zahlen frisiert hat oder, wie Führungskräfte behaupten, selbst Opfer betrügerischer Machenschaften wurde, ist unklar. Doch die Parallelen zum Sturz des texanischen Energiehändlers sind augenscheinlich. Wie bei Enron feierten bei Wirecard Analysten und Investoren Aktie, Geschäftsmodell und Management des Börsenüberfliegers. Dann, wie aus heiterem Himmel, entpuppen sich große Teile der berichteten Erfolgszahlen als Luftnummer. Kritiker, die im Vorfeld Zweifel an der Belastbarkeit der "Equity Story" anmelden, werden als Erbsenzähler oder Neidhammel abgetan. Ist die Seifenblase erst einmal geplatzt, haben das Nachsehen neben den Geldgebern vor allem die Belegschaften der strauchelnden Unternehmen.

Und es steht zu befürchten, dass Ähnliches, allen regulatorischen und buchhalterischen Neuerungen zum Trotz, immer wieder vorkommen kann, wie ein Blick in die jüngere Wirtschaftsgeschichte zeigt. Unser Quiz nimmt Sie mit auf eine Reise ins Gruselkabinett historischer Bilanzskandale.