Erste Asset Management geht 2026 auf "Risk on"
Auf die Wirtschaft hat die dramatische geopolitische Nachrichtenlage kaum einen Einfluss, sagt Gerold Permoser, Veranlagungschef der Erste Asset Management. Er sieht 2026 große Gewinnchancen an den Aktienmärkten.
Im S&P 500 gibt es ein Muster: Fällt der Leitzins bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum, erhalten Anleger stets die höchsten Renditen – nämlich rund 18 Prozent per annum in den vergangenen zwei Jahrzehnten, wie Gerold Permoser, Veranlagungschef der Erste Asset Management, errechnet hat.
Genau dieses Szenario sinkender Zinsen bei Konjunkturplus erwartet er für 2026 in den USA. Um 1,8 Prozent soll die größte Volkswirtschaft der Welt im laufenden Jahr zulegen, während zwei US-Leitzinssenkungen um je 25 Basispunkte prognostiziert werden.
Risiko, aber selektiv
"Wir sind Risk on", so Permoser. "Aber nicht all in", wie er betont. Denn das abgelaufene Jahr 2025 habe verdeutlicht, dass nur wenige Sektoren oder Titel die Kurse am US-Aktienmarkt überdurchschnittlich antreiben. Kommunikationsdienstleistungen (plus 37 Prozent) und IT (knapp unter 30 Prozent Plus) stechen hier heraus. Und das berechtigt: Hauptverantwortlich für die Returns seien tatsächliche Gewinne der Unternehmen, so Permoser. Dieses Jahr liegen die Gewinnprognosen wieder bei 13 bis 15 Prozent.
Reale Gewinne konnten übrigens auch KI-Anbieter (künstliche Intelligenz) vorweisen, deren Kurse eine Rally hingelegt haben. Insofern sei die Frage der Blasenbildung vertagt worden auf das neue Jahr und die neuen Geschäftszahlen.
Europa-Aktien und Anleihen attraktiv
Das "Risk on"-Motto gilt ebenso für den europäischen Aktienmarkt. Zwar wächst das Eurozonen-BIP (Bruttoinlandsprodukt) nur um 1,1 Prozent. "Die Stimmung ist aber schlechter als die Lage", so Permoser. Die von globalen Playern und Exporteuren dominierten Aktienindizes sind oft von der Konjunktur auf dem Kontinent weniger abhängig. In der Erste AM gibt man dem europäischen Aktienmarkt 2026 sogar deutlich mehr Attraktivitätspunkte als dem amerikanischen. Die teils günstigeren Bewertungen in Europa geben dabei zusätzlich Luft nach oben her.
Bei den Anleihen glänzt momentan für europäische Anleger die eigene Währungszone ebenfalls besonders hell. Zwar ist der Kupon zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 4,8 Prozent höher als bei den deutschen Anleihen (3,4 Prozent), der EU-Benchmark für sichere Anleihen. Doch abzüglich der Kosten für die Absicherung gegen Währungsrisiken sind die Erträge in Euro-Anleihen für Euro-Anleger momentan besser, so Permoser.
Dollar-Schwäche
Und ungehedged auf den Dollar zu setzen, dürfte heuer keine gute Idee sein. Fritz Mostböck, Chefökonom der Erste Group, erwartet ein Andauern der Dollar-Schwäche. Zum einen sinkt der US-Zinsvorteil durch die erwarteten Leitzinssenkungen (während die EZB keine Schritte unternehmen dürfte). Zudem verstärken geopolitische Überlegungen den Rückzug von Großinvestoren aus der US-Währung. Auf der anderen Seite stützen die europäischen Investitionsprogramme die Eurozonen-Wirtschaft.
Bei den Unternehmensanleihen liegt Europa in der Gunst der Erste-AM-Analysten ebenfalls weit vorne, bis hinunter zu den riskanteren, aber ertragversprechenden High-Yieldern. Und ein Hingucker bleiben Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen. Diese waren 2025 ein Top-Rendite-Bringer. Viele Emerging Markets hatten während der Pandemie schon vor den Industriestaaten ihre Inflation durch eine straffe Geldpolitik bekämpft. Das ergab – gemeinsam mit den guten Konjunkturdaten in diesen Märkten – hohe Realrendite. Das Vertrauen ist diesbezüglich bei der Erste AM ungebrochen.
Keine Gefahr durch Trumps Imperialismus
Insgesamt sollen die Schwellenländer 2026 mit vier Prozent wieder am stärksten wachsen. Vor allem die Riesen Indien (Prognose: plus sechs Prozent) und China (vier Prozent) seien ausschlaggebend. Von den geopolitischen Turbulenzen würden hingegen kaum Gefahren für Schwellenmarkt-Anleger ausgehen, so die Erste-AM-Experten.
US-Präsident Donald Trump hat vergangenes Wochenende gegen geltendes Völkerrecht den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro in einem militärischen Angriff festgenommen und in die USA gebracht, wo er wegen transnationalen Drogenhandels angeklagt wird. Gleichzeitig drohte Trump anderen lateinamerikanischen Ländern wie Kolumbien oder Mexiko mit militärischen Maßnahmen und beanspruchte im gleichen Atemzug das Territorium von Grönland, das aber unter dem Schutz des Nato-Mitglieds Dänemark steht.
Die drastische Nachrichtenlage dürfe Anleger nicht zu falschen Schlüssen verleiten, sagte Rainer Hauser, Chief Investment Officer der Erste Group. Oft hatten in der Vergangenheit geopolitische Konflikte keine negativen Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne. (eml)















