Das Technologieunternehmen Calastone hat nach eigenen Angaben einen Testlauf der Blockchain-Technologie im Fondsvertrieb erfolgreich beendet. Demnach hat Calastone die Technologie beim Kauf und Verkauf verschiedener Fonds genutzt – im bislang umfassendsten Blockchain-Testlauf innerhalb der Asset-Management-Industrie, wie die "Financial Times" berichtet. 

Insgesamt hat das Unternehmen bei der Premiere den Handel eines kompletten Tages bewältigt – also mehr als 1.200 Transaktionen in 34 Ländern. "Mit dem Test haben wir gezeigt, dass die Blockchain genutzt werden kann, um den Vertrieb und den Handel von und mit Fonds aus einer Hand anzubieten", sagt Ken Tregidgo von Calastone. 

Blockchain ist eine Art digitales Buchungssstem, das alle Transaktionen erfasst und jede Veränderung als sogenannten Block speichert. Durch die Verkettung der einzelnen Blocks, die jeweils die Informationen des vorigen Blocks enthalten, entsteht eine unendlich lange "Chain", woraus der Name "Blockchain" abzuleiten ist. Eine Manipulation des Systems gilt unter IT-Fachleuten als ausgeschlossen. Die Asset-Management-Brache verspricht sich viel von der Technologie: Blockchain soll Transaktionskosten reduzieren, Zeit sparen und den Handel mit Finanzprodukten sicherer und effizienter machen – ein Pluspunkt, der angesichts schwindender Margen in der Branche an Bedeutung gewinnt.

Blockchain: Das nächste große Ding?
"Wenn dieses Modell Schule macht, bringt das viele Vorteile für den globalen Fondsmarkt mit sich", ist Calastone-Mann Tregidgo überzeugt. Er wittert eine Revolution in der Fondsindustrie. Mithilfe der Blockchain könnten Asset manager zudem Kosten sparen, weil sie weniger Mitarbeiter beschäftigen müssten. In den vergangenen Jahren haben sich bereits tausende Start-ups gegründet, die sich in irgendeiner Form mit der Technologie befassen. "Allerdings müssen Finanzgesellschaften noch einige regulatorische Hürden überwinden, wenn sie die Blockchain künftig in vollem Umfang nutzen wollen", sagt Oliva Vinden, Chefin der Finanzberatung Alpha FMC.

Nicht nur Calastone testet die Technologie bereits: Anfang des Jahres haben sich bereits die französische Investmentbank BNP Paribas sowie der ebenfalls französische Fondsanbieter Axa Investment Managers für ein gemeinsames Blockchain-Projekt zusammengeschlossen. Die US-Bank Northern Trust bietet Blockchain seit Januar für den Handel im Private-Equity-Markt an. Der Schweizer Fondsanbieter Unigestion nutzt dieses Angebot bereits. (fp)