Erstmals seit 2023: Treasury-Rendite steigt über fünf Prozent
Teures Öl, unerwartet hohe Inflationsdaten und der wachsende Kapitalbedarf treiben die US-Renditen. Strategen halten bei den zehnjährigen Staatsanleihen der USA nun sogar 5,5 Prozent für möglich. Das könnte Wirtschaft und hoch bewertete Aktien belasten.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat am Montag (14.9.) erstmals seit 2023 die Marke von fünf Prozent überschritten. Wachsende Inflationssorgen trafen dabei auf einen steigenden Finanzierungsbedarf des Staates und der Unternehmen.
Die Rendite, die als Referenz für US-Hypothekenkredite und Anleihen weltweit dient, stieg um fast fünf Basispunkte auf bis zu 5,012 Prozent. Am Dienstagmorgen (15.9.) lag sie nach einem zwischenzeitlichen Rückgang bei 5,016 Prozent.
Wichtige psychologische Schwelle
"Die Marke von fünf Prozent bei zehnjährigen Staatsanleihen ist für Anleger eindeutig eine wichtige psychologische Schwelle – ein Niveau, das einige möglicherweise für Käufe bei einem Rückgang vorgemerkt haben", sagte Molly Brooks, US-Staatsanleihestrategin bei TD Securities.
Der anfängliche Renditesprung folgte auf stark gestiegene Rohölpreise, die im Vorfeld der in dieser Woche anstehenden Entscheidung der Federal Reserve Sorgen über den Inflationsdruck verstärkten. Zuletzt hatte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Oktober 2023 die Marke von fünf Prozent überschritten, und das nur für einen Tag.
Belastung für Wirtschaft und Aktien
Der Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen droht das Wirtschaftswachstum zu bremsen und Aktien zu belasten, die mit hohen Bewertungen gehandelt werden. US-Finanzminister Scott Bessent, der die langfristigen Finanzierungskosten zu einem wichtigen Maßstab für den Erfolg der Regierung gemacht hat, reagierte darauf mit einer Ausweitung der Anleiherückkäufe. Zudem ermutigte er Japan, die Verkäufe von US-Staatsanleihen einzudämmen, und stellte eine mögliche Verringerung der Emission lang laufender Schuldtitel in Aussicht.
All das hat bislang kaum Wirkung gezeigt. Tatsächlich hat sich der Ausverkauf zuletzt sogar beschleunigt. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries steuert auf den siebten Anstiegsmonat in Folge zu – die längste derartige Serie seit 2011.
Händler setzen auf Zinserhöhungen
Weniger als zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen liegt die zehnjährige Rendite nun rund einen vollen Prozentpunkt über ihrem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs. Der Konflikt hat einen Anstieg der Ölpreise ausgelöst und damit die Inflationssorgen verstärkt. Unerwartet hohe Verbraucherpreisdaten für August untermauerten diese Bedenken. Händler erhöhten daraufhin ihre Wetten auf Zinserhöhungen der Fed, die bereits am Mittwoch (16.9.) beginnen könnten.
"Es gibt viele grundlegende Faktoren, die dafür sorgen, dass ein anhaltender Ausverkauf bei Staatsanleihen vorerst der Weg des geringsten Widerstands ist", sagte Zach Griffiths, Leiter der Strategie für Investment-Grade-Anleihen und Makrothemen beim Research-Unternehmen Crédit Sights. Die Renditen zehnjähriger Treasuries könnten in Richtung 5,5 Prozent steigen, fügte er hinzu.
Nahostkonflikt bestimmt die Richtung
Der Markt für US-Staatsanleihen ist seit 2007 von rund 4,5 Billionen Dollar auf etwa 32 Billionen Dollar angewachsen. Dadurch ist die Staatsverschuldung auf mehr als 100 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Fitch Ratings warnte im August, das Land sei angesichts der wachsenden Verschuldung "anfällig für künftige wirtschaftliche Schocks".
Es sei "sehr schwierig für den Markt, bei der Duration optimistisch zu sein, angesichts des anhaltenden Drucks aus dem Energiesektor und der Tatsache, dass die Renditen seit Monaten schrittweise steigen", sagte Izaac Brook, Staatsanleihestratege bei RBC Capital Markets. "Der Staatsanleihemarkt bleibt dem ausgeliefert, was im Nahen Osten geschieht." (mb/Bloomberg)












