Erstmals seit 30 Jahren: Amundi baut Position in Japan-Bonds aus
Nach drei Jahrzehnten Zurückhaltung dreht Amundi bei japanischen Staatsanleihen ins Positive. Politische Klarheit, höhere Renditen und eine veränderte Zinspolitik locken internationale Investoren zurück nach Japan.
Amundi zeigt sich erstmals seit 30 Jahren wieder positiv gegenüber japanischen Staatsanleihen. Der größte Vermögensverwalter Europas reiht sich damit in eine wachsende Gruppe ausländischer Investoren ein, die langfristig optimistisch auf Japans Schuldtitel blicken.
Der Vermögensverwalter mit 2,8 Billionen US-Dollar an verwalteten Kundengeldern hat in der vergangenen Woche eine "leicht übergewichtete" Position gegenüber den jeweiligen Vergleichsindizes eingenommen. In einigen globalen Anleihe- und Mischportfolios sollen schrittweise Long-Positionen in japanischen Staatsanleihen (JGBs) aufgebaut werden, sagte Chief Investment Officer Vincent Mortier in einem "Bloomberg"-Interview. "Das ist das erste Mal seit 30 Jahren, dass wir japanische Staatsanleihen mögen."
Politische Klarheit als Auslöser
Politische Stabilität, eine sich verbessernde Wirtschaft und Bestrebungen der Bank of Japan, die Zinssätze anzuheben, ziehen Investoren wie Amundi und Jupiter Asset Management an. Zugleich veranlasst die unberechenbare Politik in Washington viele Portfoliomanager, sich jenseits von US-Anlagen umzusehen. Die Jahre extrem niedriger Renditen, die das Auslandsinteresse gebremst hatten, scheinen vorbei.
Ein entscheidender Auslöser für den Kurswechsel war laut Mortier der klare Sieg von Premierministerin Sanae Takaichi bei den Unterhauswahlen Anfang des Monats. "Nach der Wahl haben wir Klarheit über die politische Ausrichtung, insbesondere über das Schuldenmanagement und die Zusagen Takaichis zur Finanzierung ihres Programms", sagte er. "Was wir gesehen haben, ist beruhigend." Zu Jahresbeginn war Amundi in seinen globalen Portfolios noch leicht untergewichtet in JGBs.
Renditen deutlich gesunken
Die Renditen 30-jähriger japanischer Staatsanleihen sind im vergangenen Monat um rund 60 Basispunkte gefallen. Damit wurde ein vorheriger Anstieg rückgängig gemacht, der die Renditen im Vorfeld der Wahl am 8. Februar auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten getrieben hatte.
Amundi setzt nun auf eine Versteilerung der Zinskurve: Der Vermögensverwalter kauft zehnjährige Anleihen und verkauft Papiere mit 30-jähriger Laufzeit. Die Rendite der zehnjährigen Titel ist auf rund 2,1 Prozent gefallen, nach nahezu 2,4 Prozent vor einem Monat.
"Sollten die Renditen japanischer Staatsanleihen steigen, sind wir ziemlich überzeugt, dass dies Kaufinteresse auslösen würde, das die Renditen wieder auf das aktuelle Niveau drückt", so Mortier. Die derzeitigen Renditen seien für zehnjährige Anleihen "recht fair".
Hoffnung auf Rückkehr heimischer Anleger
Mortier setzt darauf, dass die steigenden Erträge japanischer Anleihen langfristige inländische Anleger dazu bewegen werden, ihre Vermögenswerte zurück ins Land zu holen. Eine stärkere Regierung dürfte den Markt nach mehr als einem Jahr ausgeprägter Marktbewegungen beruhigen, sagte er.
"Zum ersten Mal ist es für japanische Investoren interessanter, japanische Staatsanleihen zu kaufen als ausländische Anleihen", erklärte der Amundi-Investmentchef abschließend. (mb/Bloomberg)




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