Erstmals seit über einem Jahr: Citi stuft europäische Aktien herab
Die Citigroup wird vorsichtiger bei europäischen Aktien. Steigende transatlantische Spannungen und neue Zolldrohungen belasten laut den Strategen den kurzfristigen Ausblick – während Japan und Schwellenländer attraktiver erscheinen.
Die Citigroup hat europäische Aktien erstmals seit mehr als einem Jahr herabgestuft. Als Begründung nennt das Institut eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Brüssel und Washington im Zusammenhang mit den Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump, Grönland zu übernehmen.
"Die jüngste Zuspitzung der transatlantischen Spannungen und die Unsicherheit über Zölle beeinträchtigen die kurzfristigen Anlageargumente für europäische Aktien" und belasteten den Gewinnausblick der Unternehmen auf dem Kontinent, schrieben Strategen um Beata Manthey in einer Mitteilung vom Montag (19.1.).
Europa auf Neutral, Japan hochgestuft
Citi senkte Europa ohne Großbritannien in der globalen Allokation auf "Neutral" und verwies auf das schwächere kurzfristige Anlageszenario. Gleichzeitig hob das Institut seine Einschätzung für japanische Aktien von "Neutral" auf "Übergewichten" an.
Europäische Aktien gerieten am Montag unter Druck, nachdem Trump neue Zölle gegen Länder angekündigt hatte, die Grönland unterstützen. Die Europäische Union erwägt unter anderem mögliche Abgaben auf US-Waren im Umfang von 108 Milliarden US-Dollar als Teil potenzieller Vergeltungsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr hatten die europäischen Börsen die Wall Street überflügelt.

Frühe Hochstufung im Herbst 2024
Manthey gehörte im Oktober 2024 zu den ersten Strategen an der Wall Street, die Europa auf "Übergewichten" hochstuften – zu einem Zeitpunkt, als viele Investoren die Region noch mieden. Seitdem ist der Stoxx Europe 600 Index um 17 Prozent gestiegen.
Allerdings könnte jede Marktreaktion nur von kurzer Dauer sein, bis es mehr Klarheit über die jüngsten Zolldrohungen gibt. Die vorherrschende "Taco-Trade"-Haltung ("Trump Always Chickens Out") unter Investoren könnte eine Wiederholung des Kursrückgangs nach dem "Liberation Day" verhindern, als neue US-Zölle die Märkte belasteten.
"Anderswo ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil"
Vorerst sehen die Citi-Strategen ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis in Schwellenländern und in Japan. "Unsere Ziele deuten weiterhin auf Aufwärtspotenzial für den Stoxx 600 bis Ende 2026 hin, doch wir sehen anderswo ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil", schrieben sie.
Japans Aktienmarkt hat nach Einschätzung des Manthey-Teams Europa inzwischen als "Übergewichten" in der Allokation abgelöst. Der asiatische Markt verfüge über längerfristigen Rückenwind für Unternehmensgewinne und Bewertungen durch Reflation und weitere Faktoren. (mb/Bloomberg)
















