Die Wirtschaftserholung verlangsamt sich, aber ihr geht nicht die Puste aus. "Unsere Befürchtung, dass Kreditausfälle, Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit für einen längeren Zeitraum schwer auf dem Kapitalmarkt lasten würden, hat sich bislang nicht bestätigt", sagt Michael Blümke, Portfoliomanager bei Ethenea. Im Gegenteil: Die meisten Indikatoren deuten darauf hin, dass sich das Wirtschaftsklima weiter aufhellt.

Neben den Einkaufsmanagerindizes zeigen vor allem die Erholung am Arbeitsmarkt und der stabile Konsum an, dass die Wirtschaft allmählich zu einer Art Normalität zurückfindet. Für Anleger heißt das: Auch an den Aktienmärkten dürfte es weiter aufwärts gehen.

Wichtigster Motor für die Märkte sind und bleiben die ultralockere Geld- und Fiskalpolitik. Beides in Kombination hat womöglich dafür gesorgt, dass das Corona-Konjunkturtief bereits im zweiten Quartal durchschritten wurde, urteilt Blümke. Sicher ist das aber nicht, warnt er – auch wenn Anleger es offenbar so sehen. "Während wir das Szenario, dass wir das Tief bereits hinter uns gelassen haben, lediglich für eine Möglichkeit halten, erweckt die Preisentwicklung an den globalen Kapitalmärkten den Anschein, als würde diese Entwicklung mit Sicherheit eintreten", sagt er. Investoren sollten neuerliche Rücksetzer aber nicht komplett ausschließen.

Tech-Rally dürfte sich fortsetzen
Insgesamt sind die Aussichten positiv. Die Geldpolitik dürfte bis auf Weiteres locker bleiben. "Vor diesem Hintergrund – das lehrt uns die Erfahrung – kann der Bullenmarkt noch länger andauern", sagt der Ethenea-Manager. "Ob aus dieser zyklischen Aufwärtsbewegung ein übergeordneter Trend wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Aber das monetäre und fiskalpolitische Fundament ist gelegt." Die kräftigen Kursanstiege bei Wachstumstiteln könnten breite Marktbarometer wie den US-Index S&P 500 sogar auf neue Rekordstände treiben, schätzt Blümke.

Der Experte hält eine hohe Aktienquote für angebracht, warnt allerdings zugleich vor Leichtsinn. Anleger sollten die Volatilität am Markt nicht unterschätzen, mahnt er. "Für die nächsten Wochen gilt es zudem zu beobachten, wie sich der Konflikt zwischen den USA und China weiterentwickelt." Auch die US-Präsidentschaftswahlen im November bleiben für Anleger in den kommenden Wochen ein zentrales Thema. (fp)