Die Regierung in Italien ist auf das Vertrauen der Kapitalmärkte angewiesen – und dennocch drauf und dran, eben jenes Vertrauen zu verspielen, warnt Michael Blümke, Portfoliomanager bei Ethenea. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte sah sich die EU-Kommission in der vergangenen Woche gezwungen, den Haushaltsentwurf eines Mitgliedsstaates abzulehnen. "Zusätzlich hat die aus dem Entwurf resultierende langfristige Verschuldung zu einer Herabstufung durch die Ratingagenturen Moody’s und S&P geführt", so Blümke.

Die Diskussion um die Einführung sogenannter Mini-BOTs dürfte die Volatilität an den Märkten weiter verstärken. BOT steht für "Buoni Ordinari del Tesoro". Bei den Papieren handelt es sich um eine Art Schatzanweisung in kleiner Stückzahl mit Laufzeiten zwischen drei und zwölf Monaten. "Für den Euro-Skeptiker Claudio Borghi Aquilini sind die Instrumente ein Weg, geld- und fiskalpolitische Hoheit jenseits der strengen EU-Regeln zu erreichen", erklärt Blümke. Im Kern handelt es sich bei Mini-BOTs also um eine Parallelwährung zum Euro.

Neue Schwankungsspitzen in Sicht
Bei Anlegern steigt derweil die Unsicherheit. Sollte sich die italienische Regierung nicht bald von Mini-BOTs distanzieren, dürfte die Volatilität an den europäischen Finanzmärkten neue Höhen erreichen, prophezeit der Ethenea-Manager. Von italienischen Staatspapieren sollten sich Anleger jetzt dementsprechend besser fernhalten. "Wir sind der Meinung, dass italienische Staatsanleihen – unabhängig von ihrer Laufzeit – zurzeit nicht angemessen für das Risiko kompensieren, das sie beinhalten", sagt Blümke. (fp)