Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) spielen in der Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen durch die Coronakrise eine zentrale Rolle. Beide verfolgen eine lockere Geldpolitik, um die Unternehmen zu unterstützen und haben sich in Sachen Hilfsprogramme bislang großzügig gezeigt. Dennoch haben die beiden Notenbanken zuletzt auf unterschiedliche Strategien gesetzt. "Die EZB hat angekündigt, ihre Anleihekäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms (PEPP) von derzeit knapp 20 Milliarden Euro wöchentlich deutlich zu erhöhen. Damit möchte sie einem Anstieg der Anleiherenditen entgegenwirken", sagt Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Ethenea Independent Investors. Die EZB wolle so besser auf die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen reagieren können.

Eine Woche nach der Ankündigung der EZB gab die Fed bekannt, dass sie ihr Anleiheprogramm nicht anpassen wird. Aktuell sind darin 80 Milliarden US-Dollar für den Ankauf von Staatsanleihen und 40 Milliarden US-Dollar für hypothekenbesicherte Wertpapiere vorgesehen. "Damit gehen die beiden großen Zentralbanken unterschiedliche Wege", erklärt Schmidt. "Während die EZB verstärkt Anleihen kauft, sieht die Fed hier hingegen derzeit keinen Handlungsbedarf." Viel mehr betrachtet die US-amerikanische Notenbank den moderaten Anstieg der Renditen in den USA als positives Signal, beziehungsweise als eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Fed machte außerdem deutlich, dass sie bei ihrer lockeren Geldpolitik bleiben werde, obwohl sie ihre Wachstumsprognosen klar nach oben korrigiert hat und zukünftig mit höheren Inflationsraten rechnet.

Anleiherenditen steigen
Konkret will die Fed den Leitzins in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent halten und voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2023 anheben. Das hat sich auch auf die Renditekurve in den USA ausgewirkt. "Die Differenz zwischen 2-jähriger und 10-jähriger Rendite ist um 30 Basispunkte auf 160 Basispunkte gestiegen und tendiert damit auf einem so hohen Niveau wie seit Ende 2015 nicht mehr", sagt Anlageprofi Schmidt. Das Wachstum der Renditen mache US-Staatsanleihen für internationale Investoren zunehmend attraktiver. (fp)