Der Einmarsch russischer Truppenverbände in und die menschenverachtende Annexion der Ukraine treibt die europäischen Strom- und Energiekosten in die Höhe. Die Fondsgesellschaft Ethenea sieht daher noch kein Ende der Preissteigerungen. Die Gründe aus Sicht von Ethenea-Portfoliomanager Volker Schmidt: Russland zählt zu den bedeutendsten Öl-, Gas- und Kohlelieferanten, jetzt behindern Sanktionen die Geschäfte mit dem Land. "Auch die Zahl derer, die freiwillig auf Geschäfte mit Russland verzichten, steigt", sagt Schmidt. Und: Russlands Präsident Wladimir Putin hat gedroht, seine Gaslieferungen ganz einzustellen.

Die Verteuerung trifft besonders Großhändler aus dem Energiesektor hart, die direkte Geschäfte mit Endkunden machen, analysiert Schmidt. Dort "bereinigt sich gerade der Markt", sagt er. Viele Billiganbieter beliefern ihre Kunden schon nicht mehr oder sind pleite gegangen, weil sie die explosionsartig kletternden Preise nicht mehr ausgleichen konnten. Auch Gas- und Kohlestromerzeuger müssen höhere Preise für ihre Rohstoffe zahlen. Erneuerbare-Energie-Produzenten wiederum sind auf ausreichende Wasserpegel und Windstärken angewiesen, die durch den Klimawandel unsicherer werden. Zusätzlich "sorgen unerwartete Effekte aus Sicherungsgeschäften und staatliche Eingriffe für Verunsicherung", sagt Schmidt. Die Netzbetreiber seien noch "in der komfortabelsten Situation", weil sie für ihre Netzarbeiten eine staatlich festgelegte Durchleitungsgebühr erhalten. 

Energiepreis-Inflation lässt sich nicht durch Leitzinsen bremsen
Die Energiekosten werden sich mit Zinssteigerungen kaum bekämpfen lassen, warnt der Ethenea-Experte. Mittelfristig werden auch die Produktionskosten in anderen Bereichen durch die teurere Energie steigen, sodass alles mehr kosten wird, glaubt Schmidt. Das bringt die Zentralbanken in ein Dilemma. Dennoch erwartet Ethenea, dass die US-Zentralbank Federal Reserve ihre Zinsen in diesem Jahr mehrfach anheben wird und die Europäische Zentralbank "gegen Ende des Jahres" nachzieht. Wie sich die Zinsen langfristig entwickeln, sei unklar. (fp)