Ethenea-Stratege: So setzen Anleger auf die Trump-Fed
Die US-Notenbank erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel. Jörg Held von Ethenea erläutert, welche weitreichenden Folgen das für Aktien und Anleihen hat – und wie sich Anleger darauf einstellen können.
Die Frage sei längst nicht mehr, ob sich das geldpolitische System der USA verändert, sondern wie schnell das geschieht und welche Folgen das für die Kapitalmärkte hat, sagt Jörg Held, Leiter Portfoliomanagement bei Ethenea Independent Investors. Er ist sicher: Die Implikationen für die Aktien- und Anleihenmärkte sind weitreichend.
Die Marktlogik sei einfach: "Niedrigere Zinsen erhöhen Bewertungsmultiplikationen, senken Refinanzierungskosten und schwächen den Dollar", so Held. Genau diese Effekte würden den ausdrücklich formulierten wirtschaftspolitischen Präferenzen von US-Präsident Donald Trump entsprechen. Das Problem: "Vertrauen in die geldpolitische Unabhängigkeit wird auf diese Weise nicht nur geschwächt, sondern zu einem Risiko innerhalb des Finanzsystems", sagt Held.
Machtspiel nähert sich dem Höhepunkt
Der Höhepunkt des Machtspiels zwischen der aktuellen US-Administration und der Fed könnte seiner Meinung nach bald bevorstehen. Dabei gehe es nicht um eine einzelne Entscheidung, sondern um die Frage, wer künftig den Kurs der amerikanischen Geldpolitik bestimmt: die Zentralbank oder die Regierung. Finanzminister Scott Bessent habe die Kandidatenliste für Jerome Powells Nachfolge, dessen Amtszeit als Notenbank-Präsident im Mai 2026 endet, auf fünf Personen reduziert, die trotz ihrer unterschiedlichen Profile die Überzeugung teilten, dass ein dauerhaft niedrigeres Zinsniveau sowohl konjunkturpolitisch als auch fiskalisch notwendig ist. Die kommenden Wochen werden Held zufolge zeigen, ob die Fed weiterhin als unabhängige Institution wahrgenommen wird oder ob sie de facto in die strategische Agenda des Weißen Hauses übergeht.
Für Investoren habe damit das Basisszenario einer geldpolitischen Lockerung unter politischer Führung eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit: "Ein loyaler Nachfolger würde voraussichtlich die Miran-Agenda umsetzen: eine Senkung der Fed Funds Rate auf rund 2,25 Prozent bis Jahresende, flankiert durch mögliche Wiederaufnahmen quantitativer Lockerungsmaßnahmen, um Renditeanstiege am langen Ende zu verhindern." Die Folge: "Die Zinsstrukturkurve würde sich gezielt verflachen, während sinkende Nominalrenditen sowohl Anleihe- als auch Aktienmärkte stützen."
Inflation könnte nachlassen
Gleichzeitig erwartet Held, dass die Inflationssorgen an Relevanz verlieren: "Die zollbedingten Preisimpulse bleiben isoliert, während KI-gestützte Effizienzgewinne die Angebotsseite stärken und die langfristigen Inflationserwartungen senken. Sinkende Realzinsen sind die Folge." Damit erhält künstliche Intelligenz (KI) seiner Meinung nach nicht nur technologische, sondern makroökonomische Bedeutung: "Sie verändert die Produktionsfunktion – und damit die Entscheidungslogik der Geldpolitik", erläutert der Ethenea-Stratege.
Held sagt: "Sollte Trumps Strategie aufgehen, entstünde kurzfristig ein 'Goldilocks'-Szenario: niedrige Zinsen, steigende Märkte, moderate Inflation. Im Unterschied zu früheren Zyklen wäre dieses Gleichgewicht jedoch nicht kreditgetrieben, sondern getragen von Produktivitätsgewinnen durch technologische Disruption." Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins bis Ende 2026 in die Spanne von zwei bis 2,5 Prozent falle, sei hoch. "Entscheidend ist, dass mögliche Renditeanstiege durch eine Reaktivierung der Politik des Quantitative Easing gedämpft werden." (jh)




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