Als Ben Bernanke, damaliger Präsident der Federal Reserve, im Jahr 2013 ankündigte, die milliardenschweren Anleihekäufe der US-Notenbank zurückfahren zu wollen, kam es an den Finanzmärkten zu schweren Turbulenzen. "Die Renditen der US-Staatsanleihen schossen in die Höhe und der Aktienmarkt brach ein", erinnert sich Tobias Burggraf, Portfoliomanager bei Ethenea. Ein solches "Taper Tantrum" will die US-Notenbank heute unbedingt verhindern, sagt er. Aus diesem Grund führen die Währungswächter bislang nicht einmal eine Debatte über das Tempo der Anleihekäufe. Es werde höchstens "eine Diskussion über eine mögliche Diskussion" geführt, sagt Burggraf.

Klar ist: Von einem tatsächlichen "Tapering" (einem Begriff, der eigentlich aus dem Marathonsport kommt), also einem Drosseln der Anleihekäufe und einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik, ist die Fed noch weit entfernt. Darüber beraten dürfte die Notenbank nach Einschätzung des Ethenea-Managers frühestens auf ihrer Sitzung am morgigen Mittwoch (16. Juni). Erste Schritte in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung könnte es frühestens im Herbst geben. "Auch dann ist vorerst nur eine moderate Anpassung des Volumens wahrscheinlich, bevor im zweiten Schritt Zinserhöhungen ins Gespräch gebracht werden", prognostiziert Burggraf.

Wette auf die Verbraucherpreise
Die Strategie der Fed ist nicht ungefährlich. Sollte sie mit ihrer Einschätzung zur Inflations- und Konjunkturentwicklung falsch liegen, könnte das fatale Folgen haben, warnt Burggraf: Die Wirtschaft würde womöglich überhitzen, die Inflationsrate deutlich über vier oder fünf Prozent hinausschießen und längere Zeit auf hohem Niveau verharren. "Dann müsste die Fed umso stärker bremsen, und das könnte richtig wehtun", sagt der Anlageprofi. 

Sollte die Fed auf ihrer kommenden Sitzung wider Erwarten doch entscheiden, ihre Anleihekäufe zeitnah zurückzufahren, fände sie genügend Vorbilder bei anderen Notenbanken. Sowohl die Bank of Canada als auch die Bank of England und die Neuseeländische Zentralbank unternehmen derzeit erste Schritte, um das Tempo ihrer jeweiligen Anleihekäufe zu bremsen, ebenso eine Reihe kleinerer Zentralbanken in Mittel-, Ost- und Nordeuropa. So wollen sie die Inflation unter Kontrolle halten. (fp)