Seit mehr als einer Dekade entwickeln sich Growth-Aktien besser als Value-Titel. Im laufenden Jahr ist die Kluft zwischen der Performance der beiden Investmentstile noch einmal deutlich tiefer geworden – bedingt durch die Rally bei wachstumsstarken Tech-Werten, vor allem aus den USA. Angesichts dieser Entwicklung fragen sich manche Investoren, ob das Pendel im kommenden Jahr endlich wieder zur anderen Seite ausschlägt und es eine Rotation von Wachstums- zu Substanzaktien geben wird.

Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea, hat dazu eine klare Meinung: "Wer davon ausgeht, dass wir über die nächsten Jahre eine nachhaltige Umkehrung des Trends hin zu Value-Titeln erleben werden, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen", sagt er. Seiner Ansicht nach hat gibt es gute Gründe dafür, dass Value-Aktien vergleichsweise günstig sind: und zwar einen grundlegenden Mangel an strukturellem Wachstum, den unaufhaltsamen Aufstieg neuer, disruptiver Wettbewerber sowie die niedrigen Zinsen. An keinem dieser Faktoren dürfte sich so bald etwas ändern.

Welche Tech-Trends überleben Corona?
Die mittel- bis langfristigen Renditeperspektiven vieler Substanzaktien seien "als recht bescheiden einzuordnen", sagt Schmitt. Zugleich betont er, dass auf lange Sicht fundamentales Wachstum von Unternehmen unerlässlich für nachhaltig steigende Aktienkurse ist.

Diese Einschätzung bedeutet nicht, dass der Ethenea-Profi Growth-Aktien im aktuellen Marktumfeld unkritisch gegenübersteht. Im Gegenteil: Der Bogen sei vielerorts überspannt, sagt er. "Insbesondere temporäre, durch die gegenwärtige Pandemie ausgelöste Effekte scheinen derzeit zu weit und zu unkritisch in die Post-Covid-Welt extrapoliert zu werden." (fp)