Der Homo oeconomicus ist ein theoretisches Konstrukt. In der Praxis handeln Anleger selten so rational, wie man es von ihnen erwarten würde. Das menschliche Verhalten hat deshalb einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Kapitalmärkte, sagt Ethenea-Anlagestratege Christian Schmitt. Das zeigte sich zuletzt besonders eindrucksvoll während der Coronakrise im März, als die weltweiten Aktienkurse schon rund 20 Prozent vom Höchststand an Wert verloren hatten.

Investoren hätten da eigentlich zugreifen müssen, so laut wie die Kanonen an diesem Tag gedonnert hatten. Auch Schmitt war in Kaufstimmung – hat dem Impuls dann aber doch nicht nachgegeben. "Je mehr wir uns links und rechts umsahen, umso klarer wurde uns, dass gerade alle am Kaufen waren. Statt Kapitulation herrschte also weiter eine Art unkontrollierte Gier."

Vorsicht zahlt sich aus
Schmitt schloss daraus, dass die Aktienkurse noch ein gutes Stück von einer nachhaltigen Bodenbildung entfernt sein könnten. Er sicherte die Wertpapiere in seinem Fonds nochmals zusätzlich ab und senkte die Aktienquote auf den niedrigsten Stand der vergangenen Jahre. Eine gute Entscheidung: Bis zu den richtungsweisenden Liquiditätsspritzen der Notenbanken verloren die Aktienmärkte in den Tagen danach fast weitere 20 Prozent. (fp)